Verdoppelt schnellt besser

    BMW E30 M3 1989er

    Feature: 1989 BMW M3 E30

    Ein Traum vieler BMW-Fahrer ist, irgendwann mal in ihrem Leben einen echten BMW M3 zu besitzen, egal aus welcher Baureihe er auch stammen mag. Vollkommen klar ist dabei für so manchen, dass der einzig wahre M3 immer der Erste auf Basis des E30 bleiben wird. Daniel hat sein Exemplar noch einmal gehörig nachgeschärft.

    Diese leichte und verwindungsfeste Ikone unter den Tourenwagen hat nicht nur den Motorsport in den 80er und frühen 90er Jahren neben starken Konkurrenten wie Opel Omega 3000, Audi V8, Mercedes 190 E 2.5-16 Evo, Ford Sierra Cosworth und vielen weiteren DTM-Krachern legendär aufblühen lassen, sondern auch als erstes M auf Basis des damaligen Einstiegsmodells den Weg für alle folgenden Topmodelle geebnet. Da die dynamischen Tugenden des M3 auf Strecke und Straße rasch über jeden Zweifel erhaben waren, ist es in der heutigen Zeit zu einer Seltenheit geworden, einen der knapp 18.000 gebauten M3 E30 in gutem Zustand ergattern zu können.

    In der Regel scheitert dies an einem nicht ausreichend gefüllten Geldbeutel – wenn nicht gerade eine glückliche Wendung Fahrer und Fahrzeug zusammenbringt. Aber exakt eine solche Wendung wurde Daniel zuteil. Er liebte schon immer schnelle und außergewöhnliche Autos mit dem gewissen Biss. Der Berliner fuhr kurz nach der Jahrtausendwende einen wirklich schönen Porsche 911 Turbo Carrera aus den 70er Jahren und war eines Tages wieder mal mit Freunden unterwegs, um das Leben auf der Straße zu genießen, bevor abends bei ein paar Steaks auf dem Grill und dem einen oder anderen kühlen Blonden diverse skurrile Ideen aufkamen.

    BMW E30 M3 1989er

    Denn an diesem Tag war ein echter M3 mit von der Partie gewesen, was Daniel sofort freudigst registriert hatte: Von Jugendzeiten an reizte ihn der E30, auch er hatte früher mal kurzzeitig eine zweitürige 325i Limousine besessen. Nach ein paar den Fleischgenuss abrundenden Kaltgetränken kam er mit dem Besitzer des diamantschwarzen M3 E30 ins Gespräch, wobei ein jeder Interesse am Fahrzeug des anderen bekundete. Nach vielem Hin und Her einigten sich die beiden Männer darauf, dass die Schlüssel des Porsche und des BMW die Eigentümer zu tauschen hatten.

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    „Der Wagen war und ist einfach eine Legende und für damalige Verhältnisse ein grandioser Motorsportwagen. Man hatte damals als junger Mensch keine Erwartungen an das Fahrzeug, es gefiel einfach. Der sportliche Breitbau war überall ein Hingucker, und jeder wusste, dass der Wagen was Besonderes ist. Nach der Wende bis Mitte der Neunziger profilierte man sich anhand eines Motorsportwagens, was die Filme wie ‚Manta Manta’ sehr gut widerspiegeln. Da war es ein Muss, einen sportlichen DTM-Mythos sein eigen nennen zu dürfen. Rückblickend muss ich sagen, dass es wohl das beste Geschäft meines Lebens war.“

    Drehmoment und Drehzahl

    Lange Zeit fuhr Daniel den M3 und vermisste seinen Porsche nicht wirklich. Das Herz hatte den Rhythmus geändert, sodass von nun an der Puls für den bayerischen Hersteller wieder schlug. Die Jahre gingen ins Land, und der M3 wurde schließlich nur noch selten bewegt. Das war grundlegend erstmal nicht falsch, doch 2015 ändert sich alles. Der E30 wurde mit einem Mal wieder interessanter: Viele von Daniels Freunden fuhren diese Baureihe mittlerweile mit Motoren neuerer Generationen, sodass der S14-Reihenvierer nicht mehr mithalten konnte.

    Prompt war der Ehrgeiz geboren, etwas Einzigartiges zu erschaffen. Zunächst einmal galt es sich umzuschauen, was mittlerweile für besondere Motorumbauten im Umlauf waren. „Da wuchs natürlich der Reiz, vor allem, weil der Alltagswagen schon fast bessere Beschleunigungswerte als der E30 M3 hatte. Weil ich ebenfalls seit fast 300.000 Kilometern einen E38 740iA fahre, fiel mir die Entscheidung nicht schwer, beim drehmomentstarken V8 zu bleiben und einen S62 samt originalem Schaltgetriebe des E39 M5 auszuwählen.“

    Doppelt so viele Töpfe, mehr als doppelt so viel Hubraum und Drehmoment? Drei Wünsche auf einmal wie im Überraschungsei, und dazu noch eine akustische Offenbarung lieferte der komplett revidierte 5,0 Liter große V8-Sauger mit Vierventil-Technik, der um eine in Sonderanfertigung hergestellte V2A-Abgasanlage ergänzt wurde. „Am Output ist das neue Triebwerk am deutlichsten zu spüren – jetzt liegen 400 PS und 500 Nm statt 220 PS und 240 Nm an! Performancewerte auf der Rennstrecke haben wir noch nicht ermittelt, aber ein Projekt dieser Art endet doch irgendwie nie so richtig, oder?“

    BMW E30 M3 1989er

    Fahrspaß vom Feinsten mit dem M3 E30

    Der Zahn der Zeit zog auch an diesem E30 nicht spurlos vorbei, und so artete der Motorumbau in eine Komplettrestauration aus, die mit einem neuen Kleid in einem „Deep Red to Black” changierenden Lack abgeschlossen wurde. Für mehr Pfiff sorgte die naheliegendste Karosserieveränderung innerhalb der Baureihe – die Montage von Kotflügeln der M3 Sport Evolution. Zudem durften es eine Dachhaut und ein Heckspoilerlippe aus nicht überlackiertem Echtkarbon sein. Erstere verlagert fahrdynamisch günstig den Schwerpunkt nach unten, letztere sorgt für eine willkommene Traktionssteigerung.

    Unter dem Blech fand sich ebenfalls Raum für Verbesserungen, also zogen ein H&R-Gewindefahrwerk und Karosserieversteifungen ein. In Erinnerung an alte Heckmotor-Zeiten kam eine Porsche-Bremsanlage zur Verwendung, deren Scheiben sich hinter BBS-Alus der Typen „LeMans M124“ und „M126“ in 8,5Jx18 und 10J x18 verbergen. Doch keine Angst, Ihr Original-Liebhaber, das Fahrzeug kann jederzeit zum technischen Ursprung zurückgebaut werden. Großen Dank richtet Daniel allen Mitwirkenden und Freunden der BMW-Szene aus – unter anderem André Böhme, Sebastian Schwerin, Brian Schirmer, den Berliner Firmen „Lackebilly“ sowie „R&B Die Fahrzeugaufbereiter“ – und vielen mehr!

    Das Ergebnis dieser gemeinschaftlichen Komplett-Restauration bringen Bilder und Fakten zwar näher, nicht aber die Gänsehaut am Lenkrad: „Der Wagen fährt sich atemberaubend. Der Klang, die Kraft und das Leistungsgewicht bei rund 1300 kg und 400 PS sind immer wieder ein Erlebnis. Aufgrund der kompletten Anpassung und Abstimmung von Antrieb, Fahrwerk, Bremsen und Reifen lässt sich das Fahrzeug jederzeit auf der Rennstrecke bewegen. Allerdings hat man natürlich mittlerweile so viel Zeit, Geld und Leidenschaft investiert, dass man sich mehr daran erfreut, immer noch den gleichen Wagen seit über einem Jahrzehnt zu haben – und das in einem werksneuen Zustand.“

    2018 konnte man das Prachtstück bereits bei Raceism in Polen, bei der XS-Car Night Berlin oder jüngst auf der Essen Motor Show begutachten, wo das Glanzstück mit dem „John D´Agostino – Crystal Award of Excellence“ ausgezeichnet wurde. Für 2019 werden gerade die ersten Vorbereitungen getroffen, auf der Agenda steht unter anderem die Tuning World Bodensee. Wer es bis dahin nicht aushalten kann: Bei Interesse kann der M3 auch unter „m3_classics“ bei Instagram verfolgt werden.

    Text: Arild Eichbaum
    Fotos: Olly Hoppe

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