1985er BMW E24 635 CSi

Sharktastic

Autobahn-Hai in „Delphin-metallic“

Die Oberklasse-Coupés von BMW stellen die Krönung der Modellpalette dar und sind ebenso üppig motorisiert wie eindrucksvoll gestaltet. Ein besonders gelungenes Beispiel ist der von Paul Bracq zeitlos modern gezeichnete 6er E24. Die nach vorn geneigte Front brachte dem Coupe den Spitznamen „Sharknose“ ein. Diesem Stylingmerkmal konnte sich Marcus nicht entziehen: Er nahm sich vor, einen fantastischen Sharknose-6er aufzubauen.

Nachdem Marcus bereits einen E30 einer Restomod-Kur unterzogen und damit den Traumwagen seiner Jugend hatte wiederauferstehen lassen, sah er sich nach der nächsten Herausforderung um. Als Ergänzung zu seinem 2-türigen 3er aus den 1980ern erschien ihm ein 6er Coupé aus derselben Epoche optimal. Wie es der Zufall wollte, stammt der 635 CSi, der Marcus’ Sammlung erweitern sollte, ebenso aus dem Modelljahr 1985 wie sein Oldie-316er.

Blickfang: Die 18“-Räder passen verblüffend gut zum E24 – besonders, wenn man berücksichtigt, dass der 6er mit 14-Zöllern vom Band lief.

Zur Faszination des 6ers trägt neben der eleganten Form seine perfekte Größe bei: Das Coupé ist substanziell genug, um gelassen Hunderte von Kilometern im Expresstempo abzuspulen, aber gleichzeitig so handlich, dass auch Serpentinen Spaß machen. Abgesehen vom M635 CSi bot BMW den E24 1985 nur als 628er und 635er an, wobei es Marcus gelang, einen Wagen mit der begehrten Kombination aus 3,5-l-Maschine und Schaltgetriebe ausfindig zu machen.

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Fiel 1985 noch unter Science-Fiction: „BMW Classic“-Emblem aus dem 3D-Drucker.

Wie seinen 3er wollte Marcus auch den 6er nicht nur in einen makellosen Originalzustand zurückversetzen, sondern auch die fahrdynamischen Qualitäten auf ein neuzeitliches Niveau bringen: „Ein KW-‚V3‘-Gewindefahrwerk wurde eingebaut, um dem 635er die nötige Straßenlage und Agilität zu verleihen.“ Die Möglichkeit, das Fahrwerk in Druck- und Zugstufe anzupassen, ermöglicht es nicht nur, den Wagen für den Alltag zu optimieren, sondern auch für sportlichere Ausfahrten zu kalibrieren.

My Garage is my Castle: In seiner Schraubergarage mit gemütlicher Lounge kann Marcus vom Alltag abschalten.

Passend zum Fahrwerksupgrade bekam das Coupé eine Domstrebe an der Vorderachse, um die Karosserie zu verstärken und das Ansprechverhalten der Lenkung zu schärfen. Nach einem Pendant für die Hinterachse ist Marcus derzeit noch auf der Suche

Auch was die Räder angeht, hat Marcus seinen E24 heutigen Standards angepasst, denn an 18“-Räder war vor 40 Jahren noch nicht zu denken: „Ich wollte dem 635er etwas Modernes, aber gleichzeitig auch etwas Zeitgenössisches geben“, erklärt er. Deshalb wählte er ein Vielspeichen-Design, das sich am bekannten Look eines renommierten Herstellers von Hochleistungsautomobilen auf BMW-Basis aus dem Allgäu orientiert.

Passend zu den neuen Scheinwerfern will Marcus auch die Rückleuchten ersetzen, neuwertige Teile sind jedoch schwer zu finden.

Die Leichtmetallräder in 9 x 18“ vorn und 10,5 x 18“ hinten mit Reifen der Größe 235/40 R18 beziehungsweise 265/35 R18 in den Radhäusern unterzubringen, war nicht ganz trivial. Die Originalbestückung hatte nämlich das Format 6 x 14“. „Gerade das macht die 18-Zöller zu einem echten Hingucker“, berichtet Marcus erfreut. Räder und Bereifung sollten zudem TÜV-konform sein, damit der 635er seine H-Zulassung behalten konnte. „Es war ein langer Prozess, den TÜV davon zu überzeugen, dass alles im grünen Bereich ist. Aber am Ende haben wir es geschafft“, erzählt Marcus stolz.

Auch wenn Haie und Delphine sich in freier Wildbahn nicht gut vertragen, steht die delphingraue Lackierung dem Sharknose-BMW bestens: „Der Lack wurde hochglanzpoliert, was dem Fahrzeug einen nahezu neuwertigen Glanz verleiht“, versichert Marcus. Verstärkt wird der Neuwagen-Effekt durch frische Haupt-, Fern- und Nebelscheinwerfer.

Die Alarmanlage musste mit einem stiftförmigen Schlüssel separat scharfgeschaltet werden.

Als Ingenieur wohnt Marcus eine natürliche Liebe zur Technik inne, was sich nicht zuletzt daran zeigt, mit wieviel Hingabe er den Motorraum aufarbeitete: „Alle Kabelbäume habe ich neu umwickelt und den Motorraum umfassend gereinigt.“ Als i-Tüpfelchen bearbeitete er den Ventildeckel mit schwarzem Kräusellack und schliff das Markenemblem sowie die Zierrippen sorgfältig frei, sodass sie jetzt silbern glänzen.

Marcus ist stolz, alle Arbeiten in seiner eigenen Hobbygarage ausgeführt zu haben: „In meiner Garage zu arbeiten, erinnert mich an meine Lehrzeit bei BMW im Stammwerk in München. Damals habe ich mein erstes echtes Auto gekauft und in den Werkstätten von BMW viel über Technik und die Leidenschaft zu Autos gelernt. Es ist für mich ein unglaublicher Ausgleich zu meinem anspruchsvollen Job als Ingenieur.“

Text: Frank Mundus
Fotos: Frank Schwichtenberg

Keine losen Enden: Alle Kabelbäume wurden frisch umwickelt und sauber im gründlich gereinigten Motorraum verlegt.

Feature Facts: 1985er BMW E24 635 CSi

Motor:
M30B34-SOHC-12v-Reihensechszylinder, 3.430 ccm, 218 PS bei 5.500 U/min, 305 Nm bei 4.200 U/min, Verdichtung 9,0:1, Gemischaufbereitung Bosch Motronic, Ventildeckel in schwarzem Kräusellack, Kabelbäume neu umwickelt

Kraftübertragung:
5-Gang-Schaltgetriebe, Sperrdifferenzial (25%); Achsübersetzung 3,07:1

Fahrwerk:
KW-„Variante 3“-Gewindefahrwerk (Druck- und Zugstufen verstellbar), Domstrebe vorn

Bremsen:
innenbelüftete Scheibenbremsen mit Vierkolben-Bremssätteln vorn/massive Scheibenbremsen mit Faustsätteln hinten

Räder:
Leichtmetallräder Maxilite „Speichendesign“ in 9 x 18“ vorn und 10,5 x 18“ mit 15-mm-Distanzscheiben hinten

Reifen:
Hankook „S1 evo“ in235/40 R18 vorn und 265/35 R18 hinten

Karosserie:
Originallackierung in „Delphin-metallic“, Haupt-, Fern- und Nebelscheinwerfer erneuert, BMW-Classic-Emblem im Kühlergrill

Innenraum:
original BMW-Sportsitze; Blaupunkt „Woodstock SQR88“-Radio, restauriert und eingebaut in Kombination mit BMW-Soundsystem

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