1968er BMW 1600-2 Cabrio

„Concours d`Elègance“ – Ausgezeichnet von Familie Bovensiepen

ALPINA-Motor und Porsche-Blutorange fürs 02 Cabrio

Bereits Ende der 1960er Jahre wurde Dirk durch seinen Vater mit der BMW-02-Reihe infiziert. Ab 1985 fuhr der Unternehmer dann mehrere 02 und entdeckte 1996 in einer Zeitungsanzeige ein Cabrio. Erst später erfuhr er, um was für ein seltenes Stück es sich handelte.

So macht man das: Den Aufschnitt verunstaltet kein klobig aufliegendes Verdeckgestänge.

„Ich war sehr beeindruckt. Allerdings wunderte ich mich, warum das Auto keine Farbbezeichnung hatte und der Reifendruck-Aufkleber für einen BMW 1600 ti war. Die Doppelvergaseranlage empfand ich als willkommene Dreingabe, machte mir aber keine weiteren Gedanken.“ Freuen, Fahren und Recherchieren standen nun an, vor 30 Jahren war das Internet tatsächlich Neuland und Informationen weit mehr als nur einen Klick entfernt. Also stattete Dirk nach dem Kauf der Firma Baur in Stuttgart einen Besuch ab, immerhin hatte der Karosseriebauer im Auftrag von BMW dem 02 das Dach entfernt und das Stoffverdeck sowie einige Versteifungsbleche montiert. Da könnte er vielleicht was zum Wagen erfahren.

Wie am ersten Tag: Seine 58 Jahre sind dem 02 nicht anzusehen.

Weit gefehlt – es kam noch viel besser: „Ich wurde vom Seniorchef freundlich begrüßt, der meinen 1600-2 sofort erkannte. Denn der Erstbesitzer war ein Klassenkamerad von ihm, dem weder die Leistung noch die Original-BMW-Farben gefielen. Und deshalb legte sich der Senior ins Zeug, um diese Sonderwünsche zu erfüllen.“ König Kundes Verlangen nach mehr Dampf in Form eines Motorupgrades auf zwei Liter war von BMW bereits abgelehnt worden. In die Kristallkugel schaute allerdings niemand, sonst hätte der Erstbesitzer womöglich den Rat bekommen, sich noch zu gedulden, denn 1971 rangen sich die Münchner durch, auch den 2002 offen anzubieten. Konnte ja keiner ahnen.

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Aber Herr Baur kannte den Herrn Bovensiepen, und so wurde aus dem BMW ein ALPINA! Jener Tuner hatte sich einen guten Namen für standfeste wie gleichermaßen kultivierte Fahrzeuge gemacht, wusste aber auch um die Schattenseiten von Baurs Anfrage. Denn ungeachtet der verstärkten Bodengruppe erwies sich das Cabrio als nicht verwindungssteif; die Karosserie zeigte sich von allzu sportlichen Fahrleistungen überfordert. So verwundert es nicht, dass unter der Haube ein Kompromiss eingegangen wurde: Den Auftrag wollte sich der Jungunternehmer nicht entgehen lassen, beließ es aber bei der mildesten Ausbaustufe seines M10-Frisurprogrammes. Dies bedeutete, dass der einzelne Fallstromvergaser Solex 38 PDSI seinen Platz zwei Weber-40DCOE-Doppelvergasern zu räumen hatte. Da die Verdichtung von 8,6:1 nicht erhöht wurde, fiel der Leistungszuwachs um 15 auf 100 PS zwar spürbar, jedoch keineswegs gewaltig aus. Der reguläre 1600 ti mit zwei 40er Doppelsolex kam gleich mal auf 105 PS, wartete aber auch mit 9,5:1 auf.

Das Cabrio wurde im September 2025 beim „60 Jahre Alpina“-Event auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Penzing beim „Concours d`Elègance“ als ältestes Alpina-Fahrzeug von der Familie Bovensiepen gekürt.

Nachdem auch der Blick in die Farbkarten nichts Positives ergeben hatte, erwies sich der Karosseriebauer abermals als Retter in der Not, fährt Dirk fort: „Bei der Farbauswahl war Herr Baur ganz in seinem Element. Er teilte seinem ehemaligen Mitschüler mit, dass es bei Porsche einen ganz tollen Blutorange-Ton gäbe. Er schlug vor, die Karosse so zu lackieren und sie bei Nichtgefallen erneut umzuspritzen.“ Hierzu kam es nicht; die Farbe sagte dem Besitzer zu, und so wurde seines zum ersten von sechs blutorangenen Cabrios, die ihr neues Kleid direkt bei Baur erhielten. Darüber hinaus stellt dieses Exemplar das einzige mit ALPINA-A0-Anlage dar, das von Baur ab Erstzulassung ausgeliefert wurde.

Von seiner Investition in Höhe von 12.444,21 DM bereute der Baur-Spezl nicht einen Pfennig – in einem Gebrauchtcabrio-Report des Automobilzeitschrift „mot“ lobte der erfolgreiche Reifenhändler 1986 seinen mittlerweile erwachsenen und knapp 100.000 km gelaufenen BMW in den höchsten Tönen. „Zehn Jahre später gab er den stets bei Baur reparierten und gewarteten Wagen aus Gesundheitsgründen ab, mit dem Bremsen und Schalten klappte es nicht mehr so gut. Eigentlich wollte sich der Feuerbacher bis zum Tod nicht von seinem geliebten BMW trennen, entsprechend emotional fiel der Abschied nach 28 glücklichen Jahren aus: ,Mach‘s gut‘, sagte Erstbesitzer beim letzten Streicheln des Autos.“

Die reich verchromten Rundrückleuchten erinnern an den amerikanischen Space-Age-Nachbrenner-Stil der späten 1950er und frühen 1960er Jahre.

Als gewissenhafter Geschäftsmann hatte der eine vollständige Dokumentation angelegt, freut sich Dirk: „Zum Kauf habe ich einen umfangreichen Ordner mit allen Unterlagen erhalten, sei es die Originalrechnung des Fahrzeugs, sei es die Rechnung für die ALPINA-A0-Anlage und das Sportlenkrad, sei es der originale Pappbrief.“ So wurde belegt, dass bereits im ersten Jahr ein Verdeck mit Innenhimmel und ein geänderter Wasserablauf Einzug hielten. Auch der unverschuldete Kontakt mit einem Mercedes 1979 und der resultierende Seitenschaden samt Nachlackierung sind aufgeführt. „Ich hatte weniger Glück, nach einem Auffahrunfall musste ich das Heckblech und den hinteren rechten Radlauf mit Originalteilen ersetzen. Da eine Farbangleichung nicht möglich war, bekam der Wagen 2009 eine Komplettlackierung in Originalfarbe; 2019 gab es ein neues Verdeck.“

Nach der Nachrüstung von Automatikgurten 1997 an den bereits ab Werk vorhandenen Gewinden standen für den BMW viele vergnügliche Familienurlaube und Cabrio-Ausfahrten an, blickt Dirk zurück. „Er hat uns nie im Stich gelassen. Auch bei längeren Strecken gilt: Reinsetzen und wohlfühlen! Der 02 ist nach so langer Zeit immer noch ein Wahnsinnsauto. Zusätzlich habe ich in den letzten 30 Jahren unterschiedliche ALPINA und BMW gefahren.“

Zum Schluss dieser Reportage noch ein zusätzliches Sahnehäubchen: Im letzten September wurde dieses Schmuckstück im Rahmen des 60-jährigen Jubiläums von ALPINA beim „Concours d`Elègance“ von der Familie Bovensiepen persönlich ausgezeichnet. Und wir von BMW SCENE waren live dabei!

Text: Arild Eichbaum
Fotos: Thomas Hübner

Der Alpina-A0-Umbau mit zwei Doppelwebern steigert die Leistung um 15 auf 100 PS.

Feature Facts: 1968er BMW 1600-2 Cabrio

Motor:
BMW R4 M10, 1573 ccm; Verdichtung 8,6:1; Alpina-A0-Umbau mit zwei Weber-40DCOE-Doppelvergasern, 100 PS bei 6000 U/min, original BMW-Einrohr-Abgasanlage

Kraftübertragung:
Viergang-Schaltung, Hinterradantrieb

Fahrwerk:
serienmäßig, vorn Querlenker mit McPherson-Federbeinen, hinten Schräglenker mit Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer

Räder:
CMR-R1-440-Alpina-Lochscheiben-Stahlräder mit Nabenkappen in 5,5 x 13

Reifen:
Falken „Sincera SN832“ in 165/80 R13

Karosserie:
Lackierung in Porsche-Blutorange, Baur-Cabrio-Umbau, Hirschmann-Antenne

Interieur:
Momo-„Prototipo“-Alpina-Lenkrad, Blaupunkt-„Frankfurt“-Radio

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