Vaterfreuden
Was die Söhne können, kann Dad schon lange: E30 mit M60B40-Motor und 286 PS
Bevor es Missverständnisse gibt: In diesem Beitrag geht’s nicht um Familienplanung. Nein, wir sprechen hier über einen Vater, Claus Pfenninger, der BMW-Fahrer aus Überzeugung ist. Die weiß-blaue Leidenschaft hat Claus an seine beiden Söhne weitergegeben. Der E30 Touring von Daniel war bereits hier im Heft, das E30 Cabrio von Nico folgt. Zeit, dass auch der dritte E30 im Hause Pfenninger, der von Claus, zum Zug kommt – mit üppigen acht Zylindern unter der Haube…

BMWs sind bei den Pfenningers Familiensache. So wurde Claus von seinem älteren Bruder infiziert, der sich in den 1980ern einen E21 aufgebaut hatte. Jahre später machte sich Claus in seiner Wahlheimat Berlin ebenfalls auf die Suche nach einem solchen BMW. Er fand einen 316i, kaufte ihn, doch der brave Vierzylinder überzeugte ihn nie so richtig. Also musste schon bald was anderes her, nämlich ein 520i (E28). Der hatte immerhin einen Sechszylinder – welcher 420.000 km lief, bevor er schließlich aufgab. Trost und echte Hilfe kamen von Claus‘ Bruder, der ihm seinen 528i (E28) schenkte. Claus war und ist begeistert: „Der Wagen ging schon anders vorwärts. Zur damaligen Zeit ließ man damit so ziemlich alles stehen.“


1997 brach dann eine neue Zeitrechnung an: Claus bekam in einem 530i (E34) seinen ersten V8. Der schob entschlossen und war sehr trinkfest. Laut Claus fehlten alle 100 km mehr als 15 Liter. War aber egal, Hauptsache V8. Den besaß ab 2003 dann auch Claus‘ nächster BMW, ein 540i Touring (E39). Parallel dazu hatten seine Söhne damit begonnen, ihre E30er in der heimischen Garage zu optimieren – inklusive spannender Motorumbauten. So reifte bei Claus die Idee, auch einen E30 zu bewegen. Aber bitte als zweitürige Limousine. Und rot sollte er sein. „Dann fahren wir alle drei das gleiche Auto“, schmunzelt Claus.

Im November 2015 war es soweit: Über seinen älteren Sohn kam Claus an einen E30. Zweitürer, rot und rostfrei. Der Hauptgewinn? Nicht ganz. „Es war ein 316i und dann auch noch als Automatik. Das konnte auf keinen Fall so bleiben“, sagt Claus. Also wurde kurz nach dem Kauf damit begonnen, das Auto umzubauen – und zwar gründlich! 2016 ergatterte Claus in Stuttgart einen 740i (E38). Dessen M60B40-Motor mit 286 PS war genau das Richtige für das Familienoberhaupt! Zurück in Berlin, wurde der E38 sofort geschlachtet und der Motor eingelagert. Denn für den Umzug in den E30 gab es einiges vorzubereiten.


Zuerst schraubte Claus eine große Bremsanlage in sein Auto. 294er und 272er Scheiben mit Lochkreis 5 x 120. Davor passen BBS-„RC“-Felgen in 8 und 9 x 17 Zoll, die Claus in gutem Zustand aus Franken bekam. Außerdem wurden die Achsen aufbereitet und das Fahrwerk mit einem H&R-Cup-Kit, bestehend aus Federsätzen und Stoßdämpfern, optimiert.

Nächster Schritt: den eingelagerten V8 zerlegen, überholen und probeweise in den E30 hängen. „Es war sofort klar, dass wir diesmal mehr umbauen müssen als beim Touring oder beim Cabrio meiner Söhne. Es passte nichts, kein Bremskraftverstärker, kein Luftfilter, kein Krümmer“, erinnert sich Claus. Also wanderten Bremskraftverstärker und Hauptbremszylinder ans andere Ende des Motorraums – keine einfache Sache. Dann mussten verschiedene Halter entfernt oder neue angebracht werden, was die Pfenningers von ihren bisherigen Umbauten kannten. Als nächstes bekam die Pedalerie „Zuwachs“, schließlich fehlte in Claus‘ E30 ja das Kupplungspedal. Bei der Elektrik gaben sich die Pfenningers besonders viel Mühe. Es galt, viele Kabelstränge aus dem E38 zu übernehmen und diese dann unsichtbar zu verlegen, denn im frisch lackierten Motorraum sollte nichts den Blick auf den V8 stören.


Ein besonders harter Brocken war die Abgasanlage. „Dagegen waren die M30, selbst mit Fächerkrümmer, ein Kinderspiel“, sagt Claus. Vor allem sollten die originalen doppelwandigen Krümmer verwendet werden. Und das Herumschlängeln ums Kreuzgelenk auf der Fahrerseite war auch kein Kindergeburtstag. Angenehmer gestaltete sich der Rest der Anlage, wo Metall-Kats und am Ende ein kompakter Sport-ESD vom Audi A8 sitzen. Der besondere Gag daran: Von hinten ist nur ein Auspuffrohr sichtbar. Das andere biegt dezent unterhalb der Heckschürze ab.
2018 war es dann soweit: Claus konnte im fertigen Auto zum ersten Mal den Zündschlüssel herumdrehen. Und schwärmt: „Das war Gänsehaut pur. Seitdem jedes Mal.“ So soll das sein.
Text: Bernd Bartels
Fotos: Frank Schwichtenberg

Feature Facts: 1990er BMW E30 E316i auf „340i“
Motor: V8-Umbau auf M60B40-Motor aus einem BMW E38 740i, Krümmer doppelwandig angepasst und weiterverwendet, 200-Zeller-Metallkats, Audi-A8-ESD von Supersport, BMW-E28-535i-Wasserkühler, BMW-M3-E30-Ölkühler, Motorhalter von 300mm.de
Fahrwerk: Achsen aufbereitet, H&R-Cup-Kit (Federsätze und Stoßdämpfer), PU-Lager
Kraftübertragung: M60B30-Schaltgetriebe (E34, 530i), M62B35-Schwungrad (E39, 535i), Kardanwelle (E36, 328i)
Bremsen: vorne 294er Scheiben, hinten 272er Scheiben, Lochkreis rundum 5 x 120, Stahlflex-Bremsleitungen
Räder: BBS „RC“, vorne 8 x 17 Zoll ET20, hinten 9 x 17 Zoll ET22
Reifen: Hankook „Ventus V12 evo“, vorne 215/40 ZR17, hinten 245/35 ZR17
Karosserie: Lackierung in „Brillantrot“
Innenraum: Serie, schwarze Sport-Ledersitze, beheizt; Sportlederlenkrad, BMW-CD-Tuner „Bavaria C“






















