1999er BMW E46 330i Coupé

Most Wanted

Videospiel-Ikone in real life
Wie die Zeit vergeht: Vor nunmehr 21 Jahren zog das Rennspiel „Need for Speed: Most Wanted“ zahlreiche Autofans in seinen Bann, darunter auch Justin. Fortan wollte er das Cover-Auto, ein modifiziertes E46 Coupé, live sehen – oder am besten gleich selbst besitzen.

Da jener Breitbau-M3 im markanten Design aber nur auf CD-Hülle und Mattscheibe existierte, fiel die Liveshow natürlich flach. Für Justin kein Grund zur Aufgabe: „Irgendwann habe ich mir gedacht, warum nicht einmal selber bauen? Mein Vater hörte sich meine Schnapsidee nicht nur geduldig an, sondern hatte schon zufällig einen geeigneten Wagen unter Beobachtung. Beim Besichtigungstermin in Dorsten stand der BMW in einer Tiefgarage in der hintersten Ecke, sodass wir nicht viel sehen konnten. Aber die Idee fürs Projekt stand, und der Verkäufer sicherte uns Unfallfreiheit zu. Dem schenkten wir Glauben, nahmen das Auto mit, und voller Freude bestellte ich direkt nach dem Kauf des Autos das Breitbau-Kit.“ Doch in Werkstatt kam das böse Erwachen: Der 330i hatte einen derart massiven Unfallschaden, dass die Seitenwand ausgetauscht werden musste. Das war der erste große Rückschlag fürs Projekt und sollte nicht der einzige bleiben. Also ging es erst einmal an die Erneuerung der Seitenwand samt Batteriekasten und Rückleuchtenträger, um überhaupt eine Basis für alle weiteren Aufbauten zu bekommen.

Verschlusssache: Die GFK-Motorhaube von Rolling Elegance beugt unbefugten Eingriffen in den Motorraum vor.
Die Uhr tickt schon: Der K&N-beatmete M54-R6 mit 231 PS soll gemäß Vorbild einem V8 mit Sidepipe weichen.

„Als die neue Seitenwand nach unzähligen Arbeitsstunden komplett verklebt und verschweißt war, kam endlich das heiß ersehnte E46-GTR-Bodykit an. Gespannt wie ein Kind vorm Weihnachtsbaum packte ich die Teile aus, hielt sie zur Probe ans Auto, und siehe da: der nächste Rückschlag! Denn anders als von der Firma beschrieben, war die Passgenauigkeit komplett für die Tonne.
Nachdem der Ärger verraucht war, wurde das Kit zerschnitten und nach meinen Wünschen angepasst. Nach viel Schweiß, Blut und Schleifstaub saß das umlaminierte Kit dann endlich so, wie ich es haben wollte.“ Davor stand ein großer Mann mit dem Lächeln eines kleinen Jungen, der jetzt natürlich nichts Besseres zu tun hatte, als nach schicken Rädern zum Komplimentieren von vorn 12 sowie hinten 15 cm Breitenzuwachs pro Seite zu suchen. Die fanden sich im Protrack-Programm. „Nach dem Hin- und Herschreiben mit Matthias und Christoph hieß es wieder warten. All die Wartezeit war das Schlimmste an dem ganzen Projekt. Als endlich die Felgen eintrafen, steckte ich sie direkt drauf und war happy!“

Zurückhaltendes Auftreten war in einem Tuning-Rennspiel natürlich Käse. Gut für den Porsche-997-GT3-Heckspoiler von dp motorsport, der dem Reuter-Motorsport-M3-Endschalldämpfer die Schau stiehlt.

Jetzt fehlten nur noch Spurplatten, damit dass Edelmetall richtig schick im Radhaus stand. „Natürlich kam für mich nur die Marke SCC infrage, da ich in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit dem Team gemacht hatte und diese als einzigen meine Breite mit einem Achslast-Gutachten anboten. Nach einem lustigen Gespräch auf der Essen Motor Show hatte ich die Jungs bei diesem Projekt dann an Bord. Zwischenzeitlich erstand ich durch Zufall in Bottrop den großen Heckspoiler von einem 997 GT3, obwohl der Plan war, dort etwas völlig anderes zu kaufen.“ Nach dem Breitbau, Felgen und Flügel fehlte nur noch die Folierung, damit der 3er auch nach „Need for Speed“ aussah. Da kam Christian von WrapCoCardesign ins Spiel. „Nach langem Austausch von Ideen kam der Tag der Tage: Die Folie musste ausgesucht und der Termin fürs Folieren geklärt werden. Meine Nervosität stieg immer mehr, das Auto aus dem Videospiel war in greifbare Nähe gerückt.“

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Die eilige Dreifaltigkeit: Sabelt-„Racer Duo“-Sitze, OMP-6-Punkt-Gurte und Ast-Einschweißzelle.

Natürlich war Justins BMW damit noch nicht fertig – Carbon musste her. „Also stellte ich die Innenraumleisten und eine Hutablage selbst in Carbon her. Die wunderschöne E46-M3-CSL-Mittelkonsole nachzufertigen, war mir zu dem Zeitpunkt nicht möglich, so stöberte ich mich hartnäckig durch die Kleinanzeigen, bis ich zwischen den üblichen 1000-Euo-Plus-Offerten eine Original-Konsole mit leichten Gebrauchsspuren für 350 Euro zum Aufarbeiten fand. Perfekt!“ Im von der Rückbank und diversen Verkleidungen befreite Innenraum kommt der Leichtbauwerkstoff bestens zur Geltung, weitere dynamische Akzente setzten die größeren Bremsen eines F3x-3ers und die Domstreben.

Breitbau wie im Spiel: Die Protrack-„One“-18-Zöller sorgen für eine individuelle Note.

All das schlug Wellen, stellte Justin fest: „Dieses Auto hat mir etliche neue Türen geöffnet und auch dafür gesorgt, dass ich viele neue Leute kennenlernen durfte. Ich danke allen, die das Projekt mitbegleitet haben: Protrack, Scc Fahrzeugtechnik, WrapCoCardesign sowie mein Vater und meine Freunde. Als der 3er fertig war, hagelte es Glückwünsche. Auf Treffen erzählten die Leute, was sie mit dem Coupé verbänden und dass sie das Projekt mega fänden. Egal ob klein, groß, jung, alt – alle hatten das gleiche Lächeln auf dem Gesicht wie ich. Meiner Meinung nach das schönste Kompliment, was man für ein Auto oder einen Umbau bekommen kann.“ Weitere Komplimente dürften folgen – denn Justin will unter anderem noch allerhand Karosserie- und Carbon-Umbauten sowie weitere Fahrwerksoptimierungen vornehmen. Und – anders als bei „Need for Speed“ – wenn nötig den TÜV überzeugen.

Text: Arild Eichbaum
Fotos: Frank Schwichtenberg

Innenverkleidung wird eh überbewertet. Zum authentischen Streetracer-Style passt sie auch nicht.

Feature Facts: 1999er BMW E46 330i Coupé

Motor: R6 M54B30, 2979 ccm, K&N-Luftfilter, 231 PS bei 5900 U/min, 300 Nm bei 3500 U/min, Reuter-Motorsport-M3-Endschalldämpfer

Kraftübertragung: Fünfstufen-Automatik, Hinterradantrieb

Fahrwerk: TA-Technix-Deep-Gewindefahrwerk, TA-Technix-Domstreben, BMW-F3x-Bremse vorn mit E46-M3-CSL-Scheiben

Räder: Protrack „One“ in 10 x 18 vorn und 11 x 18 hinten; SCC-Spurplatten, vorn 10 mm und hinten 55 mm pro Seite

Reifen: Toyo „Proxes“ in 265/35 R18 vorn und 295/30 R18 hinten

Karosserie: GFK-Verbreiterung im E46-GTR-Look, vorn 12 cm und hinten 15 cm pro Seite breiter; Rolling-Elegance-GFK-Motorhaube, dp-motorsport-Porsche-997-GT3-Heckspoiler

Interieur: Innenraum ausgeräumt, Ast-Einschweißzelle, Sabelt-„Racer Duo“-Sitze mit OMP-6-Punkt-Gurten, E46-M3-CSL-Carbon-Mittelkonsole, Zierleisten und Hutablage aus Carbon (Eigenbau), M3-Lenkrad mit funktionierenden Paddleshifts

Das Lenkrad spendete ein M3, die Schaltwippen funktionieren selbstverständlich.
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