Grün für die Grüne Hölle
Schmiedmann im Sub-7-Fieber
Seit dem Mittelalter benötigt jeder anständige Betrieb ein Aushängeschild. In der Automobilbranche, so zeigt es uns Schmiedmanns schwedische Niederlassung mustergültig, muss dieses nicht zwangsläufig von der Wand hängen, sondern kann dank seiner vier Räder sowohl auf Shows als auch auf der Strecke der Zielgruppe den Mund wässrig machen.

Pistenstürmer: Auf dem Nürburgring fühlt sich der schnelle Schmiedmann wie zuhause. Der M2 CS absolvierte die Grüne Hölle in 7:25 min. – diese Zeit soll 2026 mithilfe von 800 PS deutlich unterboten werden.

Damit all die hübschen Waren des im dänischen Odense ansässigen BMW-Teilespezialisten Schmiedmann auch am anderen Ufer der Ostsee zu ihren Kunden fänden, gründete Viktor als junger Spund die schwedische Abteilung und steht ihr seither als CEO vor. Mittlerweile 37 Jahre alt, weiß er ganz genau um den Bedarf eines hochkarätig inszenierten Fahrzeugs, das Publikum und Presse gleichermaßen nur so fesselt sowie reihenweise auf Events und in Magazinen auftaucht: „Als ich 2008 den blau-gelben Schmiedmann-Ableger gründete, hatte ich den Traum, eines Tages ein brandneues BMW-M-Modell zum Umbau zu bestellen. Dieser Traum wurde mit unserem letzten Projekt wahr, einem violetten G82 M4, der vor zwei Jahren in der Zeitschrift vorgestellt wurde. Während des M4-Projekts entwickelte ich ein großes Interesse für den Nürburgring und besuchte ihn viele Male mit diesem Auto. Ich beschloss, dass wir beim nächsten Projekt voll auf Leistung setzen und ein wirklich schnelles Auto für den Nürburgring bauen sollten. Als dann der neue M2 herauskam und wir unseren M4 verkauften, wusste ich einfach, dass ich ein neues Projekt auf Basis dieser Plattform starten musste. Dieses Mal war es das Ziel, ein Auto für den Nürburgring zu bauen, das unter sieben Minuten fährt und gleichzeitig als Showcar Preise gewinnen kann.“

Abermals ging der alte Traum vom Umbau eines brandneuen Modells in Erfüllung, und so bestellte Viktor ein neues Auto mit der Ausstattung, die er für notwendig hielt. In Sachen Lackierung hatte er sich bereits für „Verde Ermes Grün“ entschieden – nur leider war das diese Individual-Nuance dem Modell M3/M4 vorbehalten und nicht für den M2 verfügbar. Also wurde nach einiger Überlegung und Rücksprache mit der örtlichen Lackiererei das Auto in Schwarz geordert, um es sofort nach der Lieferung neu zu lackieren. Für die besondere Note war die Wahl nicht auf den BMW-Ton gefallen, sondern auf das leicht abweichende „Verde Ermes“ aus der Lamborghini-Lackierungs-Palette. „Wir holten das Auto im Februar mit Anhänger beim BMW-Händler ab und demontierten in den nächsten drei Tagen so viele Teile wie möglich, damit die Pistolen-Profis sofort mit den Arbeiten am Auto beginnen konnten. Wir hatten einen engen Zeitplan, da wir das Auto bereits im April auf der Custom Motor Show in Jönköping, Schweden, ausstellen wollten und folglich nur anderthalb Monate für die Fertigstellung des M2 hatten.“

Nicht nur aus diesem Grunde verbat es sich, aufwendig eigene Komponenten zu entwerfen, zu testen und zu produzieren, wenn sich die Sache auch mit wenigen Klicks im Online-Handel erledigen ließ. Natürlich nicht irgendwo, sondern auf der Schmiedmann-Website, denn schließlich sollte der BMW ja die Veränderungsmöglichkeiten mit den dort erhältlichen Komponenten demonstrieren. „Unsere Lieferanten halfen uns dabei, ein superschönes Set an Teilen für den Umbau zusammenzustellen. Alpha-N Performance hat uns zu einem großartigen Preis ein komplettes Carbon-Exterieur-Kit angeboten, bestehend aus neuen Kotflügeln, Motorhaube, Frontspoiler, Heckflügel und Diffusor. Innen geht es mit dem Leichtbauwerkstoff weiter, denn Recaro machte uns ein unwiderstehliches Angebot für die ‚Podium CF‘-Schalensitze aus Carbonfaser und ‚Pole Position‘-Aufnahmeschienen“, berichtet der CEO. Mit den laminierten Eyecatchern war es freilich nicht getan, fährt Viktor fort: „Damit wir die beste Kombination aus Optik und Leistung erzielen konnten, haben wir mit BC Forged zusammengearbeitet, um einen Satz maßgefertigter Schmiederäder mit der optimalen Einpresstiefe sowie Breite für die Rennstrecke zu erhalten.“



Als Viktors Crew das Projekt plante, wandte sie sich an ihren langjährigen Lieferanten Bilstein. Was würde der zum Erreichen der Rundenzeit-Ziel auf dem Nürburgring empfehlen? „Wir bekamen vom brandneuen EVO-R-Fahrwerk zu hören, das noch nicht für den G87 M2 auf dem Markt war. Das EVO-R-Kit kommt einer Rennsport-Federung so nahe wie möglich und ist dennoch für den Straßenverkehr zugelassen. Es besteht aus leichtem Aluminium und ist damit deutlich leichter als die Serienfederung. Für eine perfekte Abstimmung lassen sich die Druck- und Zugstufe mit 100 verschiedenen Dämpferoptionen separat einstellen. Außerdem verfügt das Kit zur Einstellung des Sturzes über einstellbare Top-Mounts vorne. Ob wir wohl EVO R ausprobieren wollten und ob sie unser Auto für die Einstellungen auf ihrem 7-Säulen-Prüfstand verwenden dürften? Natürlich haben wir dieses Angebot sofort angenommen. Auch dank der Profi-Justierung erreichten wir auf dem Ring sofort vielversprechende Zeiten.“

Einen weiteren Anteil daran hatte der Eingriff in die Motorsteuerung auf M2-CS-Standard. Damit liegen statt der ursprünglichen 480 PS und 600 Nm derzeit 530 PS und 650 Nm an. „Da möchten wir natürlich gerne unseren Zulieferern Bilstein, Alpha-N, Recaro und BC Forged sowie Kurts Bilskadecenter für die Hammer-Lackierung danken. Zu diesen Adressaten werden sich bald weitere gesellen, denn für die Saison 2026 werden wir den Auspuff und den Einlass verbessern und uns auf die Motorabstimmung konzentrieren. Mit den anvisierten 800 PS sollten wir unser Ziel, ein Auto für die Nürburgring-Runde unter sieben Minuten zu bauen, schließlich erreichen!”
Text: Arild Eichbaum
Fotos: Kristoffer Kling, Bilstein (1)


Feature Facts: 25er BMW M2 G87
Motor: R6 S58B30T0, 2993 ccm, Softwareupdate auf 530 PS und 650 Nm
Kraftübertragung: Achtstufen-Automatik, Hinterradantrieb
Fahrwerk: Bilstein-EVO-R-Gewindefahrwerk
Räder: BC Forged „TD02“ in 19 x 10,5 ET6 in gebürsteter Bronze
Reifen: Nankang „CR-S“ in 295/30 R19
Karosserie: Lackierung in „Verde Ermes Grün“ nach Lamborghini-Spezifikation; Alpha-N-Grillnieren, Frontlippe, V4-Kotflügel, Motorhaube, Heckdiffusor und Class-3-Heckflügel in Carbon; Frontschürzen-Einsätze von BMW Performance in Carbon
Interieur: Recaro-„Podium CF“-Carbon-Schalensitzen auf „Pole Position“-Aufnahmeschienen, Wiechers-Sport-Sicherheitskäfig






















