50 Jahre BMW ///M

„Wir waren Pioniere …“

Zitat: Jochen Neerpasch über die Anfangszeit bei BMW M

In den 70er Jahren waren in der deutschen Rennsportmeisterschaft Ford Capri und Escort das Maß aller Dinge. Die Kölner hatten eine eigene Motorsport-Abteilung aufgebaut, deren Leiter der frühere Rennfahrer Jochen Neerpasch war. BMW wollte dem etwas entgegensetzen …

Vorläufer
Bei BMW wurde Rennsport eher nebenbei und inoffiziell betrieben. Alexander von Falkenhausen, der in den 50er Jahren bereits die Motorsport-Abteilung und später die Motoren-Entwicklung bei BMW leitete, fuhr – eher in der Freizeit – selbst erfolgreich Rennen auf BMW 328, 700 oder der Neuen Klasse. Paul Rosche war ein begnadeter Motorenkonstrukteur. Damals unterstütze BMW die Privatteams und stellte Motor-Weiterentwicklungen zur Verfügung. So konnte der erfolgreiche Rennfahrer Hubert Hahne 1966 als erster die 10-Minuten-Marke der Tourenwagen auf der Nordschleife knacken – mit BMW 2000 TI. Damals fuhr man noch mit dem Rennauto auf eigener Achse zu Rennstrecke – heute undenkbar!

-Anzeige-
Extreme Customs Tuning für alle Marken Felgen & Reifen | Sportfahrwerke | Sportauspuff | Chiptuning | Bodykits | Autopflege

M GmbH – der schnellste Buchstabe der Welt
Der BMW-Vorstand „Bob“ Lutz wollte die Motorsport-Aktivitäten professionalisieren. Also versuchte er, Jochen Neerpasch von Ford abzuwerben – mit Erfolg.

Neerpasch: „Man wollte mit einem schlagkräftigen Team bei BMW den Motorsport für die Zukunft aufbauen. Dafür war meiner Meinung nach eine eigene Gesellschaft nötig, zudem ein im Serienfahrzeugbau homologiertes leichtes Rennauto – der BMW 3.0 CSL. Man gab mir das Okay dafür, und am 1. Mai 1972 habe ich mich dann in München an die Arbeit gemacht.“
Vor 50 Jahren wurde die BMW Motorsport GmbH gegründet und schuf die Basis für den Namen M sowie die sich anschließenden Erfolge.

In München angekommen, professionalisierte Neerpasch die Motorsport-Aktivitäten des Konzerns. Zunächst lag das Hauptaugenmerk auf der Optimierung der Fahrzeuge. Der 3.0 l CS war das Auto, welches gegen die Capris antreten sollte. Doch er war viel zu schwer. Somit entstand die Leichtbauvariante CSL. Nun war BMW konkurrenzfähig und fuhr die Ford-Armada in Grund und Boden. Mit den Werksfahrern: Stuck, Quester, Hezemanns und Chris Amon ging es auf der Rundstrecke zur Sache.

USA
Die Erdölkrise erreichte 1973 Deutschland, sodass Motorrennsport und das Verblasen von Sprit in der Gesellschaft kaum vermittelbar waren. Also packten die Münchner ihre Sachen und flogen in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – auch für den Motorsport. Die Bayern starteten 1975 in der Imsa-GT-Serie. Die Amerikaner dachten, dass BMW für „British Motor Works“ stand, bis man große Scheibenaufkleber an der Frontscheibe anbrachte, um klarzustellen: Wir sind die Bavarian Motor Works! Der USA-Trip war für BMW sehr erfolgreich. Zum einen sportlich – man gewann in Sebring, Laguna Seca, Riverside, Daytona und Talladega –, zum anderen wuchsen sowohl die Bekanntheit der Marke als auch der Verkauf von BMW-Fahrzeugen in Übersee.

M1
Das erste und sicherlich bekannteste M-Fahrzeug ist der BMW M1 mit seinem italienischen Design von Giorgio Giugiaro, welches ursprünglich in Kooperation mit Lamborghini gebaut werden sollte. Doch mussten sich die Italiener aufgrund finanzieller Schwierigkeiten zurückziehen. Der Mittelmotor aus München ist ein Reihensechszylinder. Er verfügt über 277 PS und 3,5 l Hubraum. Das als M88 bezeichnete Aggregat fand später im M635 CSI und dem E28 M5 Verwendung. Insgesamt wurden zwischen 1978 und Ende 1982 460 Exemplare des M1 hergestellt. In der Procar-Serie wurde die Rennversion des M1 eingesetzt: ein Spektakel im Rahmen der damaligen Formel-1-Läufe.

M3
Das erfolgreichste M-Fahrzeug ist hingegen der E30 M3. Der BMW-Vorstandsvorsitzende von Kuenheim ging auf Paul Rosche zu und sagte, so etwas wie im 6er bräuchte man noch in Klein. So entstand auf Basis des M10-Motorblocks und des M88-Zylinderkopfes der S14. Er besitzt vier Zylinder, 2,4 (2,5) l Hubraum und 220 (238) PS. Der M3 E30, der durch seine markanten Verbreiterungen auffällt, gilt im Motorsport als der erfolgreichste Tourenwagen aller Zeiten. Etliche BMW-Piloten konnten ab 1985 in der Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft gewinnen. Von 1984 bis 1989 war BMW Markenmeister, und Volker Strycek (noch auf 635 CSI), Eric van de Poele und Roberto Ravaglia auf dem E30 holten sich in dieser erfolgreichen Ära den Fahrertitel. 1992 stieg BMW aus der DTM aus und konzentrierte sich auf die Formel-1-Aktivitäten.

M4 GT3
Derzeit kämpft der neue BMW M4 GT3 in der DTM, beim ADAC GT Masters, aber auch in den internationalen GT-Serien erfolgreich gegen die Konkurrenz von Audi, Porsche oder Mercedes AMG.

Standbeine
Neben dem Motorsport hat die M GmbH ein zweites Standbein mit dem Aufbau und Verkauf von M-Serienfahrzeugen etabliert. Aktuell ist der erste M Touring, der M3 Competition Touring – entweder als M340i xDrive oder M340d xDrive zu haben – auf den Markt gekommen (s. auch Ausgabe 5/22). Nach wie vor erfreuen sich die straßentauglichen M-Modelle bei den sportlich orientierten Fahrern großer Beliebtheit.

Text: Olaf Nattenberg
Fotos: BMW Classic Group

 

Vorheriger ArtikelWheelworld präsentiert
Nächster ArtikelBMW SCENE LIVE Ausgabe 02/2023