Sport-Gerät
Frischluft-Fahrmaschine mit Fitness-Faktor: BMW Z1

Auch wenn es noch seltenere BMW-Modelle gab: Der Z1 zählt zu den absoluten „Exoten“ der Marke. Ohne Übertreibung ist der Roadster bis heute einzigartig und bietet auf der Landstraße einen gigantischen Spaßfaktor. Außerdem trägt der Z1 dazu bei, seine Insassen fit zu halten. Sabine und Jorgo konnten diesem sehr speziellen BMW nicht widerstehen und sicherten sich ein Sahnestück mit niedrigem Kilometerstand.

35 Jahre alte Autos sahen früher irgendwie antiquierter aus, was im Falle des Z1 allerdings damit zusammenhängen dürfte, dass Design und Konzept bei dessen Entwicklung bewusst futuristisch ausgelegt wurden. Dem zweisitzigen Keil war die Zukunftsorientierung buchstäblich in die Wiege gelegt, denn seine Geburtsstätte lag nicht im Vierzylinderturm der Konzernzentrale, sondern in den Räumlichkeiten der 1985 gegründeten BMW Technik GmbH. Diese ausdrücklich von der Mainstream-Entwicklung separierte Abteilung erteilte ihren 60 hochqualifizierten Ingenieuren und Designern Carte Blanche, um alle möglichen innovativen Ansätze zu verfolgen.
Intern wurde die von Dr. Ulrich Bez geleitete Technik GmbH unter dem Kürzel „ZT“ – für „Zukunfts-Technologie“ – geführt. Der „Think Tank“ widmete sich etwa andersartigen Fahrzeugstrukturen, der Anwendung neuer Werkstoffe und Möglichkeiten zur Verkürzung von Entwicklungszeiten. Bereits nach einem halben Jahr präsentierte das Team ein Pilotprojekt, an dem alle drei genannten Forschungsfelder veranschaulicht werden konnten. Die Zukunftsabteilung taufte es auf den Namen „Z1“.


Nachdem die Technik GmbH 1986 dem BMW-Vorstand ein 1:1-Modell des – bis dahin nur als Versuchsträger gedachten – Sportwagens präsentiert hatte, ermutigten die Bosse ihre Zukunftsingenieure, das Projekt in Richtung Serienreife voranzutreiben. Als BMW auf der IAA 1987 zwei Z1-Prototypen zeigte, stapelten sich die Vorbestellungen. Ein Automagazin wollte eines der Ausstellungsstücke vom Stand weg kaufen. BMW lehnte ab, die Serienfertigung begann im Herbst 1988.
Der Z1 wurde weitgehend in Handarbeit gefertigt, denn die Konstruktion war buchstäblich von Grund auf anders: Als tragendes Rückgrat diente eine Monocoque-Konstruktion aus einzelnen Stahlblechteilen, die nach dem Verschweißen feuerverzinkt wurde und so an Verwindungssteifigkeit gewann. Weitere Stabilität erhielt das Karosserieskelett durch die Verschraubung mit der Bodengruppe, die aus einem Rahmen bestand, welcher mit dem Boden aus Kunststoff-Sandwichmaterial verklebt und verschraubt wurde.


Ausgestattet mit Achsen und Antriebsstrang, war das Monocoque auch ohne Karosserieverkleidungen fahrfähig. Laut Pressemitteilung hätte man innerhalb einer knappen Stunde, nur mit Hilfe eines Schraubenziehers und eines zweiten Außenhaut-Satzes, beispielsweise einen roten zum blauen Z1 umbauen können.
Je nach Einsatzbereich bestanden die Verkleidungsteile aus unterschiedlichen Kunststoffen. Die Seitenwände, die Türen sowie die Schwellerverkleidungen waren aus Thermoplast gefertigt, die Verkleidungen des Front- und Heckstoßfängers waren hochelastisch und bei Anstößen bis zu vier km/h voll reversibel. Front- und Heckklappen sowie der Verdeckkastendeckel, entstanden aus Faserverbundwerkstoffen mit Schaumkern. Passend zu den unterschiedlichen Plastiksorten setzte BMW für alle Farbtöne Lacke in je drei verschiedenen Flexibilitätsgraden ein.
Innovative Kunststoffkarosserie hin oder her – was den Z1 wirklich einmalig macht, sind seine Türen. Sie sind in den Schwellern elektrisch versenkbar und erlauben es Fahrer und Beifahrer, mit offenen Türen unterwegs zu sein. Das gab und gibt es bei keinem anderen Auto. „Wegen des gesicherten Flankenschutzes durch die hohen Schweller war diese besonders luftige Art der Fortbewegung sowohl sicher als auch legal“, verrät die Werksmitteilung zum 25. Modelljubiläum.
Auch Sabine und Jorgo lockte die Hauptattraktion des Roadsters: „Die Faszination für uns am Z1 sind die absenkbaren Türen in Kombination mit dem Cabrio-Dach und das Buggy-Feeling, das man dadurch hat“, erklärt Sabine und fährt fort: „Die absenkbaren Türen erfordern etwas Akrobatik beim Ein- und Aussteigen. Da muss man schon sportlich sein! Beim ersten Ausflug in unsere Lieblings-Eisdiele gab‘s viele Daumen nach oben.“

Stammlesern dürfte ein anderer BMW aus der Garage des Paars schon bekannt sein: Jorgos E21 haben wir Euch als Titelstory unserer Jubiläumsausgabe präsentiert. Wie auch der Dreier stammte der Z1 aus dem Bestand von Jorgos gutem Freund Franz, dem Jorgo des öfteren beim Aufpolieren seiner Oldie-Flotte aushilft. „Im Januar 2026 bat Franz Jorgo darum, den Z1 aufzubereiten“, berichtet Sabine. Nach dem gründlichen Detailing Job stand der Oldie (fast) wieder wie neu da.


Voller Begeisterung für den außergewöhnlichen Roadster lud Jorgo Sabine zu einer Besichtigung ein: „Als ich das Auto in der Halle von Franz zum ersten Mal sah, schlug mein Herz gleich höher!“ Zudem spielte der Nostalgiefaktor seine Wirkung aus: Sabine erinnerte sich, wie sie bereits in den 90ern für das Modell geschwärmt hatte, nachdem ein Bekannter sie zu einer Ausfahrt in seinem neuen Z1 mitgenommen hatte.
Der „Habenwollen“-Impuls war also da, zumal der Z1 nur etwa 63.000 Kilometer auf dem Zähler hatte und mit seinen Kerscher-Rädern, dem Sportauspuff sowie dem KW-Gewindefahrwerk besonders verlockend wirkte. Aber konnten sie Franz schon wieder fragen, ob er ihnen ein Auto verkaufen würde? Schließlich fassten die beiden sich ein Herz – und im April stimmte Franz zu.
Pünktlich zur Eisdielensaison.
Text: Frank Mundus
Fotos: Frank Schwichtenberg

Feature Facts: 1991er BMW Z1
Motor: BMW M20B25 SOHC-12v-Reihensechszylinder, 2.494 ccm, 170 PS bei 5.800 U/min, 222 Nm bei 4.300 U/min, Bohrung & Hub in mm: 84 x 75; Verdichtung 8,8 : 1; Bosch-Motoronic
Kraftübertragung: Fünfgang-Schaltgetriebe, Hinterradantrieb; Achsübersetzung 3,64 : 1, Getriebe und Achsdifferenzial durch Zentralrohr verbunden
Fahrwerk: McPherson-Federbeine vorn, Z-Achse (zentralpunktgeführte sphärische Doppel-Querlenkerachse) hinten, KW-Gewindefahrwerk
Bremse: Scheibenbremsen mit Einkolben-Faustsätteln rundum, innenbelüftet vorn/massiv hinten
Räder: dreiteilige Leichtmetallräder Kerscher „CS“ in 8,5 x 17“ mit 5-mm-Kerscher-Distanzscheiben vorn und 9,5 x 17“ hinten
Reifen: Hankook „Ventus V12 evo2“ in 215/45 ZR 17 vorn und 235/40 ZR 17 hinten
Karosserie: Originallack BMW-„Traumschwarz Metallic“, versenkbare Türen (dürfen während der Fahrt abgesenkt sein)
Interieur: Ledersitze in Camouflage-Optik






















