1981er Alpina B7 S Turbo E12

Das Beste kommt zum Schluss

Der ultimative E12 debütierte nach dem offiziellen Produktionsstopp

Kaum ist ein neuer Autohersteller auf dem Markt, lässt er gleich mal Superlative sehen. Derlei Marketing- und PR-Verhalten ist keineswegs ein Ding der Neuzeit, in der Elektro-Startups eine wilde Summse nach der anderen lancieren – das gab es auch schon vor über 40 Jahren in Buchloe.

Damals hieß der Neuling in der Riege der Automarken Alpina, denn Burkard Bovensiepen hatte es nach 13 Jahren erfolgreicher BMW-Optimierung vom Tuner zum Hersteller mit eigener KBA-Nummer gebracht. Hätte man seinerzeit auch schon in Wein gemacht, hätten gewiss die eigenen Korken geknallt, doch auch so präsentierten die Perfektionisten pünktlich kurz vor Jahreswechsel 1978/79 mit dem B7 Turbo einen Kracher der Extraklasse: Basis war der W123-Rivale E12, der als 184 PS starker 528i mit dem 185 PS liefernden 280E on par stand.

Und während sich die BMW Motorsport GmbH mit dem M535i nicht sonderlich anstrengte, um die Waagschale eindeutig zugunsten der Münchener zu bewegen, ging Alpina-Chefingenieur Fritz Indra so richtig in die Vollen. Hierzu paarte der leistungsbewusste Tüftler einen geringer verdichteten M30B30 mit einem K27-Turbolader von Kühnle, Kopp & Kausch. Die maßgefertigte Atemhilfe gestattete Ladedrücke von 0,6 bis 0,9 bar, was in 250 bis 300 PS resultierte. Ziel erreicht: Der 149-fach gebaute B7 Turbo brillierte mit 256 km/h Spitze als schnellste Serienlimousine der Welt.

One-Shot-Wonder, die außer Kraft im Überfluss nichts drauf hatten, waren für Alpina damals schon ein Unding, und so hielten ein ZF-Getriebe und eine riemengetriebene Ölpumpe zur Kühlung der Hinterachse sowie auf Wunsch eine 25-Prozent-Differenzialsperre Einzug. Erstklassige Langstreckentauglichkeit brachte ein Zusatztank im Kofferraum, der die Spritkapazität auf 108 Liter steigerte, was dem aktuellen Besitzer bei seinem ersten Tankvorgang einen kleinen Schock bereitete. Denn die Tankanzeige wurde nicht angepasst und hört bei 70 Litern auf. Somit konnte man je nach Fahrweise die ersten 200 Kilometer ohne „Benzinverbrauch“ absolvieren.

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Der Renner für die ganze Familie stand allein in „Dunkelsaphirblau metallic“ zur Verfügung.

Selbstverständlich gab es ein knackigeres Fahrwerk samt den Leichtmetall-Klassikern nach Art des Hauses sowie Pneus in 205/55 R16 vorn und 225/50 R16 hinten, die gar eine Radlaufverbreiterung erforderlich machten. Der Dekorklebesatz in Gold oder Silber, das übliche Sportgestühl, Lederlenkrad, Holzschaltknauf, Fußstütze und Produktionsnummern-Plakette komplettierten die Serienausstattung. Nach all der Arbeit kurz den Ellenbogen entspannt auf der Fensterkante parken war für Alpina aber nicht drin, denn mit dem Audi Quattro war neben dem Elfer Turbo ein weiterer ernstzunehmender Boostbomber aufgetaucht. Doch was mit drei Litern Spaß machte, sollte mit deren 3,5 erst recht Laune bringen, und so legten die Allgäuer nach Einstellung der E12-Produktion in Deutschland zwischen November 1981 und Mai 1982 den ab 75.000 DM erhältlichen Überflieger B7 S Turbo nach. 330 PS, 500 Nm. Bam!

Hierzu steckte Alpina den M30B35 samt K27 abermals in einen vergleichsweise unschuldigen 528i und vergaß auch die übrigen B7-Goodies wie die Pierburg-Zenith-DL-Einspritzung, die Hartig-AFT-Zündung und einen Ladeluftkühler nicht. Spezialkolben sowie das ingeniöse Resonanzansaugsystem nach Dr. Cser zogen genauso wieder ein. Es kombinierte zwecks maximaler Zylinderfüllung mit der Turbo- eine Staudruckaufladung. Gegen die trotz Spoiler eher suboptimale E12-Aerodynamik hatte die Zusatzkraft aber kaum eine Chance: Die Höchstgeschwindigkeit der 1.490-kg-Threebox stieg nur geringfügig auf 260 km/h, dafür verbesserte sich die Beschleunigung von 0-100 km/h um 0,7 auf 5,8 s und die von 0-200 km/h gar um 6,2 auf 20,3 s. Der Alpina B7 S Turbo wurde ausschließlich in „Dunkelsaphirblau metallic” und mit goldener Kriegsbemalung ausgeliefert. Das Interieur der auf 60 Stück limitierten Produktion war ebenfalls einheitlich in bester Alpina-Qualität und -Farben gehalten. Wagen Nummer 11 gehört seit zwei Jahren Michael, der bereits einige leistungsstarke sowie historisch wertvolle BMW-Modelle sein Eigen nennen durfte und diese auch bei den Tourenwagen Classics sowie anderen Rennveranstaltungen eingesetzt hat. Der Alpina B7 S Turbo ist jedoch für die private Nutzung auf Landstraßen gedacht.

So viel komplexe Technik will natürlich gut gewartet sein, und mit dieser beauftragte Michael die Classic Lounge in Leipzig. Die markenoffene Classic Lounge ist eine auf Old- und Youngtimer spezialisierte Werkstatt mit Karosseriebau-Abteilung, die Leistungen von Wartung über Instandsetzung der Technik oder des Blechkleids bis hin zur kompletten Restauration anbietet. Marketing-Manager Marten Grobe klärt auf: „Bei dem Alpina haben wir die Felgen strahlen, pulvern sowie lackieren und mit frischen Reifen beziehen lassen. Zudem verlangte die Kupplung nach neuen Geber- und Nehmerzylindern. Zusätzlich bieten wir zu jedem Old- und Youngtimer einen speziellen Liebhaber-Service an. Dieser umfasst eine gründliche Sichtprüfung der Technik und der Karosserie. Hierbei werden die nötigen Arbeiten dokumentiert und in enger Abstimmung mit dem Kunden durchgeführt. In der Regel beinhaltet dies einen bedarfsgerechten Flüssigkeitswechsel, eine Einstellung der Ventile und Zündung sowie eine Prüfung der Zündkerzen, des Zündgeschirrs und der Elektrik, um alles entweder nach den historischen Herstellervorgaben oder gemäß aktueller Erfahrungswerte in einen Top-Zustand zu bringen.“ Damit sollte Michaels B7 S Turbo bestens durch die nächste Saison kommen!

Text: Arild Eichbaum
Fotos: Frank Schwichtenberg

Die Gummilippe bringt etwas mehr Traktion, der Alpina-Doppelrohrauspuff dezente Sport-Akustik.
Gediegene Sportlichkeit: Die Sitze bezog Alpina in den markentypischen Farben und montierte unter anderem das charakteristische Lenkrad sowie eine Riffelblech-Fußstütze.
Der 300-km/h-Tacho war keineswegs reine Protzerei – ließ aber noch Raum zum Träumen.

 

 

 

 

 

 

 

Feature Facts: 1981er Alpina B7 S Turbo E12

Motor:
M30B35, 3.453 ccm, 330 PS bei 5.800 U/min, 500 Nm bei 3.000 U/min; Bohrung x Hub in mm: 93,4 x 84; Verdichtung 7,5:1; elektronische Hartig-AFT-Zündanlage, Pierburg-DL-Einspritzanlage, thermostatisch geregelter Ölkühler, KKK-K27-Turbolader mit maximal 0,9 bar Ladedruck, Alpina-Auspuffanlage

Kraftübertragung:
ZF-Fünfgang-Schaltgetriebe, Hinterradantrieb; Achsübersetzung 3,07:1; 25% sperrendes Differenzial, Hinterachse gekühlt

Fahrwerk:
Bilstein-Stoßdämpfer, progressive Federn, einstellbare Stabilisatoren

Bremse:
Serie, innenbelüftete Scheibenbremsen

Räder:
originale Alpina-Aluräder in 7 x 16” vorn und 8 x 16” hinten

Reifen:
Michelin „Pilot Sport 4” in 205/55 R16 vorn und 225/50 R16 hinten

Karosserie:
Lackierung in „Dunkelsaphirblau metallic”, Stahlhubdach, B-Säule und Türgriffe schwarz gehalten, Wärmeschutzglas, Radlaufverbreiterungen hinten

Interieur:
ASS-Sportsitze vorn, Velours-Sitzbezüge im Alpina-Design; Teppiche, Sonnenblenden und Stoffhimmel in Schwarz; 300-km/h-Tacho; Zusatzinstrumente für Ladedruck, Motoröl- und Hinterachsöltemperatur; Alpina-Vierspeichen-Sportlenkrad und Holzschaltknauf, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber vorn, Fisher-Stereo-Cassetten-Anlage „AX 5700“ mit 50 Watt Leistung

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