Silberhochzeit mit Taiga-Grün
Dank Windschott geriet die 02-Langzeitbeziehung nicht allzu stürmisch
Beim BMW-Händler hieß es 1970, sich zwischen 1600 ti und 1600-2 Cabrio zu entscheiden. Oder man erstand 30 Jahre später wie Anton ein in Eigenregie auf ti getrimmtes Cabrio, das dazu noch mit Alpina-Goodies glänzt.

Qualitativ hochwertige Karosserien bauen konnte Baur – das hatten die Stuttgarter mehrfach unter Beweis gestellt, sei es mit dem Mini-Thunderbird Auto Union 1000 Sp, sei es mit dem einige Klassen höher rangierenden BMW 502 Cabrio. BMW war also gut beraten, das Unternehmen 1966 mit Konzeption und Fertigung eines viersitzigen Voll-Cabrios auf Basis des neuen 02 für die IAA in Frankfurt zu beauftragen. Der Aufschnitt mit der internen Typbezeichnung BMW 114 C kam bestens an, zwischen Anfang 1968 und Sommer 1971 wurden 1692 offene 1600-2 sowie 200 Stück von 2002 Cabrios gebaut. „Zur Kompensation des fehlenden Daches erhielten die A-Säulen und Schweller Verstärkungen. Auch unter den Sitzen schweißte die Baur-Truppe Versteifungen ein, was aber nicht völlig den gewünschten Effekt brachte. So bestand die Möglichkeit, dass sich die Türen nicht mehr öffnen ließen, wenn das Fahrzeug mit vier Erwachsenen besetzt war“, weiß Anton aus eigener Erfahrung.



Da Baur die zu weiche Karosserie des Cabrios nicht wirklich in den Griff bekam, ließ man ab Herbst 1971 einen Teil der C-Säule stehen, was zu deutlich gestiegener Verwindungsfestigkeit führte. Bis Sommer 1975 entstanden 2290 dieser Targas, die es ausschließlich auf Basis des 2002 gab. „Solch ein Bügelmobil kam für mich jedoch nicht in Frage, mir haben die komplett offenen Bayern aus Baden schon immer besser gefallen. 1996 war es für mich endlich soweit, da konnte ich mein erstes 02er Cabrio vom Erstbesitzer aus Peißenberg in Empfang nehmen. Doch meine Leidenschaft erhielt zunächst zur Jahrtausendwende eine mächtige Delle.“

Was genau war geschehen? An einer Kreuzung fuhr der Maurer während der Rückreise von einem 02er-Treffen in Maierhöfen/Allgäu einem das Rotlicht missachtenden BMW Z3 mit Tempo 60 in die Beifahrerseite, wonach der offene 2002 nur noch Schrottwert hatte. Glücklicherweise war der Tannheimer damals solo unterwegs, denn für eine Beifahrerin hätte der ungebremste Zusammenstoß sehr wahrscheinlich schwerwiegende gesundheitliche Folgen gehabt. „Ich war stinksauer – damit waren die zwei Jahre, in denen das 2002 Cabrio von mir mit mühevollem Aufwand eine Generalrestaurierung inklusive Neulackierung in ‚Alaskablau Metallic‘ erhalten hatte, umsonst. Der Zeitaufwand war so immens, da das ursprünglich inkaorangene Fahrzeug bei meinem Erwerb so marode gewesen war, dass sich die Wagenheber durch die Einstiege gebohrt hatten.“



Seither nur noch sicherheitsoptimierte Neuwagen? Mitnichten! Noch während seines unfallbedingten Krankenhausaufenthaltes verhandelte Anton bereits mit einem Freund, den er bei seinem ersten BMW-Cabrio-Treffen im Schwarzwald kennengelernt hatte, und kaufte sechs Wochen nach dem Unfallschrecken als sofortigen Ersatz ein BMW 1600-2 als Cabrio mit gerade mal 37.500 km Laufleistung. „Zu diesem Zeitpunkt waren bereits viele Alpina-Teile wie Lenkrad, Schaltknauf, Frontspoiler und Räder verbaut. Zu den Highlights gehörten neben einem neuen Teppich die sehr willkommenen Sportsitze aus einem E21 323i, die um Sitzheizungen aus einem E30 325i Cabrio ergänzt worden waren. Hinzu kamen Fünfgang-Schongetriebe, Kupplung sowie eine gekürzte und gewuchtete Kardanwelle, allesamt aus einem E21 316. Die Technik-Upgrades hatten ihre Bewandtnis, denn das Cabrio war mit zwei nagelneuen Solex-40-PPH-Doppelvergasern aus einem NSU, einer entsprechenden Ansaugbrücke, einem Alpina Trommel-Luftfilter und einem Fächerkrümmer auf 1600-ti-Standard getrimmt worden. Dass der von 85 auf 106 PS gebrachte M10 nicht überhitzt, stellt seither ein zuschaltbarer E-Lüfter sicher“, blickt Anton ein Vierteljahrhundert zurück.

Überhaupt hatte der Württemberger mit dem offenen 02 das große Los gezogen, denn der umsichtige Vorbesitzer hatte obendrein ein Turbo-Fahrwerk mit Bilstein-Stoßdämpfern sowie KHL-Federn vorn und Winter-Federn hinten für 4–5 cm Tieferlegung montiert. Auch Wiechers-Domstreben vorn wie hinten waren nicht vergessen worden. Als Zusatzzahl zu den sechs Richtigen erwies sich der Umstand, dass sich Anton eine erneute Vollresto nicht ans Bein binden musste, denn die hatte bereits ein Vorbesitzer zwischen 1985 und 1992 durchgeführt. Dabei hatten diverse damals verfügbare Neuteile wie das Heckblech mit Viereck-Rückleuchten, die Facelift-Frontpartie mit großer Niere sowie die inneren und äußeren Radhäuser Verwendung gefunden. Darüber hinaus hatte der nimmermüde Bodybuilder neue Türen, Seitenwände sowie Kofferraummulde verbaut und hingebungsvoll durch innen verstärkte Schweller von Baur die Einstiege versteift.

Gänzlich untätig blieb Anton nicht: Über die Zeit kümmerte er sich um ein neues Verdeck, ließ die Sitze mit Alpina-Stoff beziehen, brachte das Alpina-Dekor auf die Neulackierung in „Taiga-Grün“ auf und überholte Motor sowie Vergaser. Obendrein installierte er vier Zusatzscheinwerfer, eine Antenne auf dem Kofferraum und – ganz wichtig – ein E30-Windschott. „Seit 25 Jahren nutze ich das Cabrio regelmäßig und so gut wie immer in Begleitung meiner Partnerin für Ausfahrten, Ausflüge oder BMW-Treffen. Von der Ostsee bis nach Bozen über die Berge – mit dem neuen Verdeck kein Problem. Der Wagen macht mit seinem hochdrehenden Motor und dem verbauten Fahrwerk einfach richtig Spaß! Hinzu kommt sein sonorer Sound: Viele Menschen schauen uns hinterher, reagieren mit einem Lächeln und strecken die Daumen hoch. Und somit sind es sage und schreibe inzwischen 130.000 Kilometer Freude am Fahren in 25 Jahren geworden! Als Faustregel gilt: Ab zehn Grad Celsius wird offen gefahren! Ich erinnere an die verbaute Sitzheizung…“
Text: Arild Eichbaum
Fotos: Frank Schwichtenberg

Feature Facts: 1970er BMW 1600–2 Cabrio
Motor: R4 BMW M10, 1563 ccm, Alpina-Ventideckel und -Luftfilter, zuschaltbarer E-Lüfter, Solex-Doppelvergaser 40 PPH, 106 PS, Fächerkrümmer
Kraftübertragung: Fünfgang-Schongetriebe, Kupplung und gekürzte und gewuchtete Kardanwelle vom 316 E21; 4,11:1-Differenzial, Hinterradantrieb
Fahrwerk: 02-turbo-Fahrwerk mit Bilstein-Stoßdämpfern, 4–5 cm Tieferlegung mit KHL-Federn vorn und Winter-Federn hinten; Wiechers-Domstreben, vorn fest und hinten verstellbar
Bremsen: vorn innenbelüftete Scheibenbremsen vom 02 turbo, hinten Trommelbremsen
Räder: Alpina Multispeiche in 6 x 15 vorn und 7 x 15 hinten
Reifen: Kumho „Ecsta HS52“ in 195/50 R15 vorn und 205/50 R15 hinten
Karosserie: Lackierung in „Taiga-Grün Metallic“ mit Alpina-Dekor, Verdeck komplett neu mit Windschott aus E30, Alpina-Frontspoiler
Interieur: E21-323i-Sitze in Alpina-Stoff mit Sitzheizung aus E30 325i Cabrio, Alpina-Dreispeichen-Sportlenkrad und -Schaltknauf, 5 Zusatzinstrumente, BMW-CD-Radio






















