
Feuer und Flamme
Florian Böhl-Iggelheim 1/10-1 unter neuem Kommando
Was tun, wenn‘s brennt? Brennen lassen! So hielten es einst die Spontis. Der Steinwerfern und Hausbesetzern recht abholde Reiner ließ jedoch nichts anbrennen. Dafür ist er jetzt stolzer Besitzer eines historischen Feuerwehrautos.


Alle Mann quetschen sich auf den Mercedes-Lkw, nur der Chef darf BMW genießen? „Nein, so hat es sich nicht abgespielt“, stellt Reiner lachend sicher. „Der bayerische Kommandowagen diente dem Einsatzleiter respektive dem Wehrleiter zur Anfahrt an die Einsatzstelle. Bei Nachbarschaftshilfen fuhr der KdoW als Führungsfahrzeug zur Erkundung der Einsatzstelle und zur Einweisung für die Einsatzkräfte von Böhl-Iggelheim voraus. Die Fernmeldetechnik und die Einsatzliteratur an Bord halfen dem Einsatzleiter bei Planung und Einleitung notwendiger Maßnahmen. So war eine hohe Flexibilität der Wehrleitung gewährleistet.“ Anfang Juli letzten Jahres hatte sich ein aus zurückliegenden Autoverkäufen Bekannter bei Reiners Unternehmen Ahrend 02 Tuning gemeldet, er hätte da mal was anderes und beschrieb den Kommandowagen aus dem Rhein-Pfalz-Kreis. Dort hatte der 5er bis 2024 seinen Dienst versehen, zu dem er sich 1995 bestens empfohlen hatte: Zwischen 1993 und 1995 war die Limousine bei BMW als Werksfeuerwehr gelaufen.



Der Job im Werk mag erklären, warum der Wagen zunächst wildes Signalrot trug, das heute noch den Motorraum ziert. Außen ist der Viertürer in RAL-3000-Feuerrot gespritzt, so wie BMW es in seiner Einsatzfahrzeug-Broschüre beschrieb. Darüber hinaus mögen die ersten Jahre beim Erzeuger auch begründen, warum der 5er nicht wie in selbiger Broschüre illustriert mit banalen, unlackierten Stoßfängern aufwartet, sondern solchen in Wagenfarbe. Und vorne sogar noch ergänzt um eine Spoilerlippe und Nebelscheinwerfer! „Der E34 war wirklich mal was anderes, eine schöne Abwechslung von den 02ern und 3ern des Alltagsgeschäfts. Auch meine Enkelkinder, von denen einer großer Feuerwehr-Fan ist, würden sich freuen. Also habe ich – verrückt, wie ich bin – zugesagt und den Wagen vier Tage nach dem Telefonat abgeholt. Wenig später ging mir auf, dass ich mir doch ein bisschen viel Arbeit gekauft hatte. Der Lack war unter aller Sau, die Türverkleidungen marode, der Himmel hing runter. Dazu gab es ein paar leichte Roststellen und als Krönung einen Kapitalschaden am Automatikgetriebe. Fantastisch.“



Fundiertes Fluchen mochte zwar dem eigenen Wohlbefinden helfen, nicht aber dem des BMW – also ran da und zuerst erstmal mit dem Sattler Himmel und Türpappen gemacht. Da bot es sich an, den restlichen Innenraum gleich auch wieder schönzumachen. Doch ungeachtet der gar nicht mal so schlechten Stoffsitze, bei denen ein einziger kleiner Riss erst nach gründlicher Reinigung zum Vorschein kam, wurde schnell nach einer schwarzen Lederausstattung gesucht. Auch an der Technikfront ließen sich langsam Fortschritte verzeichnen: „Im dritten Anlauf hatte ich endlich das richtige Getriebe aufgetrieben. Meine beiden vorigen Funde wiesen leichte Unterschiede im Anschluss der Kardanwelle und der Elektronik auf, damit war auch dieses Problem behoben. Dann haben sich meine Jungs aus der E30/E34-Szene an die Aufbereitung gemacht. Der Martin und der Marius haben den 5er komplett geschliffen und auf links gedreht, jetzt sieht er fast aus wie ein neu lackiertes Auto und glänzt dank Keramik-Versiegelung auch so – alles tippi-toppi!“

Das ließ sich der alten Einrohr-Abgasanlage nicht nachsagen. Die wich folglich einer neuen Auspuffanlage mit 55-mm-Doppelendrohr in Edelstahl, wovon Sound und natürlich auch Optik profitierten. Optimierungspotenzial boten ferner die 15-Zoll-Stahlräder mit Plastikzierdeckeln, die ratzfatz runterflogen. Das gab Gelegenheit, schnell noch einen Satz H&R-Federn mit 35 mm Tieferlegung einzubauen, bevor die neuen BMW-„Styling 66“-Alus vom 5er E39 in 8 x 17 Zoll mit 235er Pneus den Kontakt zur Straße vergrößerten. Schnell noch eine Achsvermessung, dass auch alles rund läuft vor der ersten großen Fahrt: „Seine Feuertaufe hatte der 5er erst wenige Wochen vor dem Fototermin. Wir sind vor Himmelfahrt knapp 1000 Kilometer gefahren, um zwei Mitglieder der BMW-Freunde Alfstedt zum Geburtstag zu überraschen, die waren baff, wie wir abends mit der Feuerwehr vor der Tür standen. Zu klingeln brauchten wir nicht, stattdessen haben wir die Sirene und die Außenbeschallung angeschaltet. Derlei war auf der Autobahn erstaunlicherweise nicht nötig, da reichte ein Blick des Vordermanns in den Rückspiegel. Alle fuhren sofort rechts rüber, ohne dass ich etwas dazutun musste.“



Hoher Reisekomfort und eingebaute Vorfahrt auf der einen, kaltes Kalkül auf der anderen Seite – was bleibt? Die Feuerwehr! „In die Fertigstellung des E34 habe ich mehr Geld und Zeit investiert als erwartet, da behalte ich den erstmal, auch weil er wirklich Spaß macht. Vielleicht ist das auch ein Blickfang für andere Events, der 5er hat schon bei meinem Frühlingsfest Anfang Mai etliche Gäste verzaubert.“ Womöglich bekommt der Kommandowagen bald sogar noch Gesellschaft: Auf Betreiben des zweiten Enkels wird längst nach einem ausgemusterten Streifenwagen gefahndet. Natürlich von BMW.
Text: Arild Eichbaum
Fotos: Frank Schwichtenberg


Feature Facts: 1991er BMW E34 520i (Einsatzfahrzeug)
Motor: BMW R6 M50B20, 1991 ccm, elektronischen Einspritzung, 150 PS bei 5900 U/min, 190 Nm bei 4700 U/min, Edelstahlabgasanlage
Kraftübertragung: Vierstufen-Automatik, Hinterradantrieb
Fahrwerk: H&R-Federn, 35 mm tiefer; Bremsen Serie
Räder: BMW „Styling 66“ vom E39 in 8 x 17 ET20, H&R-Distanzscheiben 10 mm vorn und 15 mm hinten
Reifen: Hankook „Ventus Prime 4“ in 235/45ZR17 R15
Karosserie: Sonderlack „RAL 3000 Feuerrot“, Sondersignalanlage Hella RTK4-SL, Trennschalter im Motorraum für Martinshorn und Rundumleuchte
Interieur: Stoffausstattung, Signalanlagebedienung und AEG-Funkgerät in Mittelkonsole, Blaupunkt-„TravelPilot DX-R5“-Autoradio





















