Das erste Auto nie hergegeben
Über die Jahre aufgebaut: E21 315 mit E36-M3-Technik
Michael Pietsch ist 55 Jahre alt, und der hier gezeigte E21 ist das erste Auto, das er sich 1990 gleich nach der bestandenen Führerscheinprüfung kaufte. Den BMW fährt er noch heute! Wobei sich der Wagen nicht zuletzt angesichts seiner E36-M3-Technik sehr deutlich von dem unterscheidet, was damals als Modell 315 mit 75 PS auf dem Hof des Gebrauchtwagenhändlers stand.

Der E21 erwies sich als ordentliche Wahl, da er von der Substanz her sehr gut war und wenig Rostansatz hatte. Der 315 sorgte nicht zuletzt dafür, dass Michael unheilbar mit dem BMW-Virus infiziert wurde. Als Vorsorge hat er bereits 1992 mit Mike-Sanders-Schutzfett die erste Hohlraumversiegelung durchgeführt. Es folgte der Einsatz von Tuningzubehör wie etwa 15-Zoll-Melber-Alufelgen, da die 13-Zoll-Mahle-BBS nicht so viel hermachten. Das Serienfahrwerk musste einem Eibach-Sportfahrwerk weichen, und in den Innenraum zogen ein 340-mm-Sportlenkrad, König-Sportsitze und rote Schroth-H-Gurte ein. Auch wurden die Einfachscheinwerfer durch Doppelscheinwerfer ersetzt, da Michael die aggressivere Optik besser gefiel.

Nachdem der 315 sieben Jahre als Alltagsauto gefahren worden war, stand dann aber doch die Frage im Raum, ob nicht etwas Neues her muss. Der schon beim Kauf nicht mehr ganz taufrische E21 hatte im täglichen Einsatz weiter merklich gelitten. „Ich habe mich letztendlich für eine Restauration entschieden, da viele schöne Erinnerung an dem Auto hängen“, berichtet Michael und erzählt, dass der BMW beispielsweise dabei war, als er 1993 seine spätere Frau kennenlernte. Geheiratet wurde 1995, zu einem Zeitpunkt, als die Auserwählte längst ebenfalls vom BMW-Virus befallen war. Fortan fuhren beide gemeinsam zu BMW- ,Old- und Youngtimer-Treffen sowie markenoffenen Meetings.
Im Zuge der Restauration wich das Alpinweiß sowohl innen als auch außen einem „Brillantrot“. Wie Michael sagt, ist er damit immer noch sehr zufrieden, da es nicht leicht war, eine passende Farbe zu finden. Das Auto wurde mit einem Bekannten komplett zerlegt und alle Achsteile sowie einiges Weitere schwarz Pulverbeschichtet. Ein KW-Gewindefahrwerk wurde speziell für Michaels BMW angefertigt, lag die Firma doch nur 20 Kilometer entfernt, was die Sache erleichterte. Damals sollte aber nicht allein die Optik verbessert werden, vielmehr ging es auch um mehr Leistung. „Mein Traum war das 321 PS starke E36-M3-S50B32-Triebwerk. Das Problem war, dass der Motor damals aktuell noch sehr neu war und entsprechend teuer gehandelt wurde. Allein nur der Motor von 1997 mit 35.000 Kilometern Laufleistung war mit 15.000 DM ein üblicher Marktpreis“, erläutert Michael und sagt, dass sein Budget das leider nicht hergab. Ein S14B25-Sportevolution, der ebenfalls in Frage gekommen wäre, war nicht zu finden. Die passende Alternative für 5000 DM war schließlich ein E30-M3-S14B23-Motor ohne Kat mit 200 PS und 50.000 Kilometern. Getriebe und Anbauteile waren gleich auch noch dabei. Die zusammen mit einem Bekannten durchgeführte Restauration inklusive Motorumbau zog sich satte zwei Jahre hin, bis alles TÜV-konform war. Im August 1999 konnte Michael wieder auf ein BMW-Treffen fahren und bekam seinen ersten Pokal, was für Ihn etwas ganz Besonderes war. Als Vorsichtsmaßnahme führte Michael 2006 nochmals eine Hohlraumversiegelung mit Mike-Sanders-Schutzfett durch. „Nach dem Motorumbau hatte ich viele Jahre ‚Freude am Fahren‘. Auch meine 2016 geborene Tochter wurde auf die Autotreffen mitgenommen,“ blickt Michael zurück.



Trotz der Zufriedenheit mit dem S14B23 kam die Zeit, zu der eine umfassende Motorrevision unausweichlich war. Der Motor hatte zu dieser Zeit bereits 160000 Kilometer abgespult. Michael wollte allerdings nicht die notwendigen zirka 10.000 Euro investieren. Da kam 2018 das Angebot gerade recht, sehr günstig – sprich für 5.000 Euro – an den zu Anfang anvisierten S50B32 zu kommen. Den Umbau sollte diesmal eine Fachfirma vornehmen, da Michael nicht wie beim ersten Motorumbau wieder zwei Jahre voller Stress investieren wollte. Nicht zuletzt dachte er auch an die Familie, da er seine freie Zeit lieber mit Frau und Tochter gemeinsam verbringen wollte
Eine – wie Michael sagt – „in der Szene bekannte Tuning-Firma“ sollte von November 2018 bis April 2019 die Arbeiten erledigen. Da zum vereinbarten Fertigstellungstermin allerdings absolut kein Land in Sicht war und auch zwei Jahre danach nicht, wurde ein anderes renommiertes Tuning-Unternehmen beauftragt. Was nach vergangenen weiteren zwei Jahren allerdings auch nicht zum gewünschten Erfolg führte. „Ich wollte bereits aufgeben und alles verkaufen. Doch Ralf Ironot vermittelte einen guten Freund von ihm, der es möglich machte, den Motorumbau von September 2023 an in nur drei Monaten erstklassig zu erledigen.“ Kombiniert ist das angesichts von 321 PS überaus leistungsstrake hochsportive Triebwerk mit einem S54-6-Gang-Schaltgetriebe. Das verbaute 188er-Differential mit 2,93:1-Übersetzung verfügt über eine 45%-Sperre. Durch den Motortausch wurde die Geschichte keineswegs beendet. Zu den ausstehenden Maßnahmen zählt eine Neuanfertigung der Auspuffanlage, da diese teils noch aus dem ersten Motorumbau stammt. Auch ein neuer
Wasserkühler ist nötig, da der alte sich mit Verunreinigungen zugesetzt hat und in Kombination mit einem defekten Thermostat bereits eine Überhitzung des Kühlsystems verursacht worden ist.

Der mit einer Alpha-N-Carbon-Airbox ausgestattete S50B32 ist ganz sicher so etwas wie das Herzstück des Aufbaus von Michaels E21. „Die Fahrwerte und Beschleunigung sind für das Fahrzeuggewicht von 1200 Kilo mehr als ausreichend, und Fahrspaß ist garantiert,“ sagt Michael. Besonders erwähnenswert sind fraglos auch die weiteren zahlreichen Besonderheiten des 3ers. Wozu das KW-„V1“-Gewindefahrwerk sowie die 3-teiligen WRD-Mesh-Räder in 8,5 x 16 beziehungsweise 9,5 x 16 Zoll zählen. Diese hat Michael bewusst gekauft, weil er keine Alpina- oder BBS-Alufelgen wollte, da seinerzeit zu viele BMW damit herumgefahren sind. Über die Technik hinaus widmete Michael auch der Optik des BMW besondere Aufmerksamkeit. So zeichnet sich der E21 neben der bereits erwähnten Lackierung in „Brillantrot“ und den sehr gut harmonierenden weißen Blinkern – welche eine Sonderanfertigung sind – auch durch die „Shadowline“-Optik sowie eine Frontscheibe mit Blaukeil und in Bronze getönter Verglasung aus. Die Radläufe sind vorne je Seite 1,5 Zentimeter verbreitert und hinten je Seite um 2 Zentimeter gezogen, da Michael die Räder zu weit über die Kotflügelkante herausgestanden haben. So sieht es dezenter aus, und die breite Optik kommt noch besser zur Geltung. Zugunsten eines cleaneren Looks wurde das Heckklappenschloss entfernt.



Dem attraktiven Äußeren steht auch das Interieur von Michael E21 keineswegs nach. Im Inneren fallen unter anderem König-„CP 400“-Sportsitze, Schroth-H-Gurte, ein 320-mm-Raid-Lederlenkrad, Aluminium-M-Pedale, ein Tacho mit 300er-Skala sowie Zusatzinstrumente für den Öldruck, die Öltemperatur und die Differentialöltemperatur auf. Die Einstiegsleisten, Fensterkurbeln und den Handbremsgriff hat Michael aus Aluminium angefertigt. Türen, Boden, Kofferraumdeckel und Seitenwände sind mit 2-mm-Alu-Butyl-Dämmmatten beklebt. Dadurch sind die störenden Fahrgeräusche so gut wie verschwunden. Die HiFi-Komponenten umfassen eine Clarion-Headunit mit 12-fach-CD-Wechsler, Rockford-1000a2- und -400a2-Endstufen, ein 2-Wege-JBL-Frontsystem, ein Kicker-3-Wege-Heckablagen-System sowie einen Kofferraumausbau mit zwei Kicker-12“-Freeair-Lautsprechern. Die HiFi-Anlage hat Michael allerdings sehr selten an. „Die schönste Musik kommt vom Motor“, wie er schwärmt.
Michaels Dank geht an Ralf Ironot, Ingo W. (der Meister), die Firma Henni, Marcel Pagel mit Ricard, Sattlerei Mack sowie Nimrud und Ferdi Birdir.
Text: Michael Stein
Fotos: Frank Schwichtenberg



Feature Facts: 1982er 3er BMW E21 315
Motor:
BMW-S50B32-Reihensechszylinder, 3201 ccm, 321 PS bei 7400 U/min, 350 Nm aus einem E36 M3, Spal-E-Lüfter, Alpha-N-Carbon-Airbox, 2,5-Zoll-Edelstahl-Auspuffanlage mit VSD-ESD ab Krümmer, 200-Zellen-Kat, E30-M3-Ölkühler
Kraftübertragung:
S54-6-Gang-Schaltgetriebe, 188er Differenzial mit 2,93:1-Übersetzung und 45%-Sperre
Fahrwerk:
KW-„V1“-Gewindefahrwerk, komplett Strongflex-Buchsen, Domstrebe vorne und hinten
Bremsen:
Tarox-6-Kolben mit G88/310-mm-Scheiben (vorne), 325i mit Tarox-G88-280mm-Scheiben (hinten)
Räder:
WRD Mesh in 8,5 x 16 Zoll ET 07 (vorne), 9,5 x 16 Zoll ET 07 (hinten)
Reifen:
Hankook „V12 evo2“ in 215/40-16 (vorne), Falken „ZE 914“ in 225/40-16 (hinten)
Karosserie:
weiße Blinker (vorne/hinten), „Shadowline“-Optik, Heckklappenschloss entfernt, Blaukeilfrontscheibe, Verglasung in Bronze getönt, Radläufe vorne um 1,5 cm je Seite verbreitert und hinten 2 cm je Seite gezogen, Lackierung in „Brillantrot“
Innenraum:
Lederausstattung in BMW-„Dakota-Schwarz“, schwarzer Edelvelours-Dachhimmel, schwarzer Porsche-Teppichboden, König-„CP 400“-Sportsitze, Schroth-H-Gurte, 320-mm-Raid-Lederlenkrad, Aluminium-M-Pedale, Tacho mit 300er-Skala; Zusatzinstrumente für Öldruck, Öltemperatur und Differentialöltemperatur; Einstiegsleisten, Fensterkurbeln und Handbremsgriff aus Aluminium angefertigt; Türen, Boden, Kofferraumdeckel und Seitenwände mit 2-mm-Alu-Butyl-Dämmmatten beklebt
HiFi:
Clarion-Headunit mit 12-fach-CD-Wechsler, Rockford-1000a2- und -400a2-Endstufen, 2-Wege-JBL-Frontsystem, Kicker-3-Wege-Heckablagen-System, Kofferraumausbau mit zwei Kicker-12“-Freeair-Lautsprechern






















