1974er BMW 1802

Erlaubt ist, was gefällt

1802 mit Airride
„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!“ Diese altbekannte Weisheit trifft in jedem Fall auf Jakob Streek aus Marburg zu. Sind doch beide Elternteile übermäßig autoaffin. Gemäß eigener Angabe hat der 25 Jahre alte Student den Auto-Tick voll abbekommen. Wobei Jakob neben Porsche schon immer BMW am meisten begeisterte. Sichtlicher Ausdruck: sein leuchtend gelber 02er.

„Als ich mit meinem Vater beim Bergrennen in Miltenberg im Odenwald das erste Mal einen
Bergrenner-02 an mir vorbeiballern sah, wusste ich, so ein Auto muss ich haben“, blickt Jakob zurück und erzählt, dass er sich nach jahrelanger Suche und vielen Rostlauben endlich ein Exemplar des heiß ersehnten BMW anschauen konnte. Obwohl der Zahn der Zeit sichtlich an dem 02 genagt hatte, entsprach er exakt den Vorstellungen, und das Gesparte reichte glücklicherweise gleich auch noch. „Das ist er!“, dachte sich Jakob. Wie er sagt, tat es ihm damals überhaupt nicht weh, sein Audi-TT-8N-Coupé herzugeben, weil er sicher war, mit dem BMW etwas viel Cooleres gefunden zu haben.

Komplett restauriert ist die Karosserie.

Genauer definiert, handelt es sich um einen 1974er 1802 deutscher Herkunft, der in Köln erstausgeliefert wurde. Über einige Umwege fand Jakob einen ebenfalls mit dem BMW-Virus infizierten und zudem sehr talentierten Karosseriebauer, der sich dem 02 dann mit viel Liebe zuwandte. Was folgte, war nicht allein eine Restauration, bei der die angegriffene Karosserie sachgemäß instandgesetzt wurde. Vielmehr bekam der Oldie ein wesentliches Upgrade, indem ein neues Herz eingepflanzt wurde: ein E30 318i-Motor und einem 5-Gang-Getriebe aus einem E21 323i.

Eine echte Augenweide ist das Victor-„Interspeed 360“-Lenkrad.

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Jakob fasst zusammen, dass der 02 durch den getauschten Antriebsstrang wie ein modernes Auto fährt, immer ohne Mucken startet, verhältnismäßig wenig verbraucht und einen sehr schönen Durchzug hat, der zum Charakter des 02 passt. „Man kann ihn quasi als 1802 Tii bezeichnen. Einzig der kernige Vergaser-Sound und der Gestank fehlen ein bisschen, was aber durch die Drehfreudigkeit des neuen Motors wettgemacht wird“, fasst der BMW-Fan zusammen und sagt, dass es ihn sehr begeistert, dass im Zuge der Restauration auch kleine, aber feine Details im Innenraum eingebracht worden sind. Beispielsweise erhielt das Armaturenbrett eine Tii-Uhr, um neben dem Tacho einen Drehzahlmesser zu haben. Jakob gefällt, dass das Armaturenbrettfurnier und der neu montierte Schaltknauf perfekt zusammenpassen. Sozusagen als i-Tüpfelchen wurde ein wunderschönes Victor-Interspeed-360-Lenkrad mit Alpina-Hupknopf verbaut. Besondere Freude bereitet Jakob, dass er einige Bilder von den an seinem BMW erledigten Arbeiten erhalten hat, was dadurch möglich wurde, dass er über Instagram den Sohn des Restaurateurs kennen lernte, der ihm die Fotos zur Verfügung stellte.

Der 02 war zu einem perfekten, alltagstauglichen Auto geworden, welches trotz einiger Modifikationen absolut klassisch dastand. Trotzdem stellte sich Jakob die Frage: „Was mache ich nun noch?“ Puristen werden seiner Aussage „Ich zerstöre das Kunstwerk!“ beipflichten. „Erlaubt ist was gefällt“, kann jedoch auch das Urteil dazu lauten, dass Jakob ein Airride einbauen ließ. Womit der BMW so weit abgesenkt werden kann, dass zwischen Asphalt und Unterboden kaum noch eine Flunder passt! Das Airlift-Bedienteil wurde in die Mittelkonsole integriert, der in Wagenfarbe lackierte Lufttank ist hängend im Kofferraum untergebracht.

Zu guter Letzt spendierte Jakob dem BMW noch einen Satz BBS-„RM“-Felgen, die sich im Standardmaß 6,5 x 15 ET33 problemlos montieren ließen. Mit der Tiefe, die für Showzwecke ohne Begrenzer erreicht werden kann, passte das Ganze vorne wie angegossen und führt nicht zuletzt im Zusammenspiel mit der Zender-Front zu einer schon sehr beeindruckenden Optik. Doch Jakob legte noch eins obendrauf, wozu er erklärt: „Hinten wurden die Außenbetten der Felgen um 1,5 Zoll und vorne um 0,5 Zoll verbreitert, damit ein noch brutalerer Look für Shows erreicht werden konnte.“ Da der 02 aber auch legal bewegt und genossen werden soll, wird er im Alltag mit Begrenzern und klassischen 13-Zöllern im Alpina-Look gefahren.

„Der Wagen bedeutet sehr viel für mich, ich sehe ihn als eine Art Ruhepol, da ich, egal wie anstrengend mein Tag war, einsteigen kann, eine Runde drehe und umgehend tiefenentspannt bin. Ich kann also mit zwinkerndem Auge behaupten, dass der BMW mein persönlicher Therapeut ist“, sagt Jakob und berichtet, dass er mit dem 02 viel erlebt hat, in dem er zum Beispiel an den Wörthersee oder zum Berliner Olympiastadion fuhr. Bei solchen Trips und auch auf Events lernte Jakob durch das Auto viele nette Leute kennen. Gerne richten wir auch den Dank an seine Eltern weiter, die ihn, wie eingangs erwähnt, mit dem Auto-Virus infizierten und oft zu Rennen wie den NitrOlympX in Hockenheim oder Bergrennen im Odenwald mitnahmen. Auch dankt Jakob seinem guten Freund Matthias, den er durch das Studium kennt und der immer tolle Fotos von seinem Auto geschossen hat. Zum Schluss noch etwas, auf das uns Jakob aufmerksam machte: Eine „Playboy“-Ausgabe aus dem Baujahr des 02 hat auf der letzten Seite doch tatsächlich Werbung für einen Facelift-02 in „Golf-Gelb“. Das gehört wohl eindeutig in die Kategorie „Funfacts“.

Text: Michael Stein
Fotos: Mike Crawat, Ali Caner Özatakus

Feature Facts: 1974er BMW 1802

Motor: 1,8-Liter-M10B18 aus E30 318i, 1766 ccm, L-Jetronic, G-Kat

Kraftübertragung: 5-Gang-Schongetriebe aus E21 323i

Fahrwerk: TA-Technix-Airride, Airlift-3P-Steuerung

Bremsen: Scheibenbremsen

Räder: BBS „RM 012“, umgeschlüsselt auf 7 x 15 (vorne) und 8 x 15 Zoll (hinten)

Reifen: 175/50-R15

Karosserie: vollrestauriert, Zender-Front, Kotflügelkanten umgelegt, Lackierung in „070 Golf“

Innenraum: Original-Innenausstattung (Schwarz, Leder/Stoff), Victor-„Interspeed 360“-Lenkrad, Drehzahlmesser statt Uhr im Tacho, Tii-Uhr im Armaturenbrett, Airlift-Bedienteil vor dem Schaltsack, PDKlassiks-Heckjalousie

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