BMW-Raritäten vom Feinsten seit 1982

02.11.2017 | Reinhard Kleißler hat in seiner Laufbahn als Sammler und Händler besonderer BMW-Fahrzeuge zahlreiche BMW-Träume erfüllt.

Kleißler Automobile in Gundelfingen bei Freiburg.

Großes Coupè gesucht? Kleißler hat sie alle, inklusive dem BMW Glas 3000 V8.

Gut erhaltene Oldtimer mit niedrigem Kilometerstand sind die Spezialität des Hauses.

Die raren 503-Modelle sieht der Experte verglichen mit dem Mercedes 300 SL immer noch als unterbewertet an.

Nach 10 Jahren im Versicherungsaußendienst wollte Reinhard Kleißler mehr und machte seine Leidenschaft 1982 zum Beruf.

Gleich mehrere E3-Limousinen in der seltenen Ausführung als 3,3Li hat Kleißler aktuell im Angebot.

Nur Routinearbeiten werden ‚In-House‘ durchgeführt, für umfangreichere Instandsetzungen werden die Autos im geschlossenen Trailer zu Spezialisten überführt.

„Die Begegnungen mit Interessenten oder Besitzern und die Geschichten die sie zu den Autos zu erzählen haben, machen aus meiner Sicht die Leidenschaft für Klassiker aus.”, berichtet Reinhard Kleißler, der sich auch nach 34 Jahren im Oldtimergeschäft in erster Linie als Sammler und erst in zweiter Linie als Händler sieht. „Jedes Auto kaufe ich zunächst einmal für mich und fahre es auch selbst. Obwohl der Bestand normalerweise bei rund 50 Fahrzeugen liegt, kommt jedes bei gutem Wetter ab und zu dran. So kann ich sicherstellen, dass an den Autos alles funktioniert. Eine ausgefallene Klimaanlage oder defekte Fensterheber, so etwas gibt es bei mir nicht.” Auch ein geglücktes Geschäft löst bei ihm oft gemischte Gefühle aus: „Wenn ich mich nach dem Verkauf von einem Auto trennen muss, habe ich meist ein wenig Herzschmerz und schlechte Laune. Der Vorteil ist allerdings, dass dann wieder Platz für einen weiteren BMW frei ist.”

Und somit für eine weitere Geschichte, wie im Falle eines raren 2002 Vollcabrios, das mittelfristig den Bestand von Kleißler Automobile ergänzen wird: „Durch einen Kundenkontakt erfuhr ich von diesem Auto, das in einer Garage am Tegernsee stand. Ich nahm Kontakt zum Besitzer auf, der mir erzählte, dass er als Student in Freiburg gelebt habe und seine damalige Freundin ein 2002 Cabrio fuhr. Für ihn war es die schönste Frau die ihm je begegnet ist und auch wenn die Beziehung nicht hielt, legte er sich als Erinnerung den BMW zu. Das war 1981, nach dem Kauf stellte er das Cabrio in die Garage und meldete es ab.” Aus diesem Grund ist bis heute nur ein Haltereintrag im originalen Pappbrief zu finden, der ebenso wie die Verkaufsrechnung bis heute erhalten ist.

Restaurierung ist Liebhaberei

„Diese Geschichte hat mich so begeistert, dass ich den Wagen kaufte und komplett restaurieren lassen werde.”, schildert Reinhard Kleißler. Ein ungewöhnlicher Fall, denn aus kaufmännischer Sicht kaum zu vertreten: „Die Kosten für eine gründliche Restaurierung sind unabhängig vom Modell so hoch, dass man diese bei einem Verkauf nie wieder erlösen kann. Ein 503 Cabrio erzielt zum Beispiel in perfektem Zustand heute rund 350.000 Euro, eine Restaurierung kostet aber 400.000 – 500.000 Euro und dauert fünf Jahre. Hinzu kommt, dass man selbst für die Restaurierungsbasis, die im Prinzip nur aus Schrott besteht, noch einmal 100.000 Euro bezahlen müsste.”

Gut erhalten

Deshalb konzentriert sich Reinhard Kleißler auf erstklassig erhaltene oder bereits perfekt restaurierte Klassiker, etwas anderes kommt für ihn nicht Frage: „Qualität ist für mich oberste Prämisse.” Sucht ein Kunde ein bestimmtes BMW-Modell, das sich nicht im aktuellen Bestand von Kleißler-Automobile befindet, aktiviert der Chef seine Kontakte zu Bekannten und Geschäftspartnern, um das Wunschauto zu besorgen. Ein Fahrzeug dieser Zustandsklasse zufällig zu finden ist beinahe ausgeschlossen.

Ein großes Netzwerk

Sämtliche Autos in seinem Bestand haben über sein weit reichendes Netzwerk zu ihm gefunden: „34 Jahre sind eine lange Zeit”, gibt der Enthusiast zu Bedenken, der seit den späten 1960ern der Marke verfallen ist. „1968 bekam ein Freund von mir einen nagelneuen 2002 von seinem Vater – einem wohlhabenden Metzger - zum 18. Geburtstag. Mit diesem BMW waren wir als junge Burschen ständig unterwegs und mein Schulkamerad ließ mich öfters fahren, obwohl ich erst 16 war. Es gab da wohl ein Missverständnis bezüglich einer Sondererlaubnis zum Erwerb des Führerscheins, das ich damals nicht aufgeklärt habe”, schildert Reinhard Kleißler schmunzelnd seine Erinnerungen.

Gründung der Firma

1973 legte sich der gelernte Versicherungskaufmann den ersten eigenen zu, 1975 folgte sogar ein nagelneues Exemplar, dass er bis heute besitzt. 1982 gründete er Kleißler Automobile: „Nach 10 Jahren im Außendienst – die mir durchaus gefallen haben, weil ich in dieser Zeit so oft mit meinen BMW unterwegs sein konnte – wollte ich mehr. Ich entschloss mich meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Seitdem habe ich mir einerseits einen gewissen Bekanntheitsgrad erworben, weshalb ich zum Beispiel von Sammlern angesprochen werde, wenn sie ihre Sammlung verkleinern möchten. Andererseits, und das finde ich noch wichtiger, bemühe ich mich mit meinen Kunden ein freundschaftliches Verhältnis zu pflegen. Auch bin ich jederzeit bereit ein Auto das ich einmal verkauft habe wieder zurück zu kaufen.”

Stammkunden

Auf diesem Wege seien ihm manche Fahrzeuge schon mehrfach begegnet: „Ein Kunde der zu meinen liebsten zählt, tauscht jedes Jahr mindestens zehn Fahrzeuge seiner Sammlung aus. Das hat für mich den Vorteil, dass ich den Zustand und die Geschichte der Autos genau kenne, wenn der Kunde sie nach einem Jahr zurück an mich verkauft.” Zu seinem Kundenkreis zählen Sammler aus Prominenten- und Industriellenkreisen, die bis zu 400 Fahrzeuge besitzen: „In solchen Fällen verbindet die Leute natürlich nicht mit jedem Auto eine persönliche Geschichte. Aber die meisten Sammler halten Ausschau nach Fahrzeugen an die sie eine bestimmte Erinnerung knüpfen oder die sie seit ihrer Jugend begeistern.”

Nostalgie

Aus diesen Gründen seien aktuell besonders BMWs aus den 1970er Jahren verstärkt gefragt, weil Liebhaber der Marke, die damals ihre Jugend erlebten, jetzt Zeit und das nötige Geld hätten ihre Träume wahr werden zu lassen.

Jenseits der 1980er Jahre sieht Reinhard Kleißler dagegen nur noch wenige Fahrzeuge die den Klassikerstatus erreichen könnten: „Erstens sind die Stückzahlen immer weiter gestiegen und es haben von vorn herein mehr Fahrzeuge überlebt. In den 1960ern waren die Autos kaum gegen Rost geschützt und wer ein fünf Jahre altes Auto fuhr wurde von vielen als Spinner angesehen oder von den Nachbarn gefragt, ob er sich kein neues leisten kann. Zweitens haben Autos für junge Leute nicht mehr den Stellenwert wie damals. Wir haben in unseren Autos noch ‚gelebt‘, einen Wagen zu besitzen bedeutete nicht nur Unabhängigkeit von den schlecht ausgebauten öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern auch von den Eltern.”

Junge Klassiker

Dennoch sieht Reinhard Kleißler, der mit einem M3 E30 Gruppe N als Hobbyrennfahrer sämtliche Rennstrecken Europas kennengelernt hat, bei einigen jüngeren Modellen Klassikerpotential: „Jetzt ist zum Beispiel der richtige Moment sich einen guten E39 M5 wegzustellen. Bei diesem Modell bekommt man ein tolles Auto mit starkem V8-Motor und einem intensiven Fahrerlebnis für relativ kleines Geld.” Aber ganz egal für welche Epoche oder welches Modell man auch schwärmt, zusätzlich zur Freude am Fahren haben Oldtimer nach Reinhard Kleißlers Erfahrung einen weiteren Bonus zu bieten: „Klassiker sind ‚in‘. Wo Sie auch vorfahren haben Sie die Sympathien auf Ihrer Seite.”

Text: Marc von Kiedrowsky
Fotos: Frank Schwichtenberg

 

Kleißler Automobile

Industriestraße 17
79194 Gundelfingen bei Freiburg
Telefon +49 (0)761 - 70 34 00
Email:  info[at]kleissler-automobile.de

 

 

 

erstellt von Marc von Kiedrowsky